Freitag, 2. Dezember 2005
1000!
Die 1000. Hinrichtung : seit der Wiedereinführung der Todesstrafe vor 30 Jahren wurde heute in den USA vollstreckt. Um 8:00 MEZ wurde der 57 jährige Kenneth Lee Boyd im Staat North Carolina mit einer Giftspritze getötet.

Boyd war ein Doppelmörder und litt unter starken Depressionen seit seiner Rückkehr aus dem Vietnamkrieg. Mord ist natürlich nicht entschuldbar, solange das Individuum trotz seelischer oder geistiger Krankheit die Tragweite seiner Tat im Voraus erkennen kann. Auch Affekthandlung kann und darf keine Entschuldigung oder Minderung des Tatbestandes sein.

Darf ein Rechtsstaat, und als solcher bezeichnet sich die USA, Menschen zum Tode verurteilen?

Wird dadurch nicht der Damm der Menschlichkeit vom Staat und damit von der Allgemeinheit überschritten?

Wird durch die rechtsstaatliche Lizenz das Töten als Form der ultimativen Strafe nicht hintergründig das Morden als solches legitimiert?

Wenn die Legislative selbst zum Mörder wird und als Vorbild im vollkommen falsch verstandenen Gerechtigkeitssinn eben diese Tat als letzte Konsequenz für sich in Anspruch nimmt, warum muss sich dann der Bürger anders verhalten?

1000 Hinrichtungen in 30 Jahren. 120 der Delinquenten sind nachweislich aufgrund von Nachlässigkeit und Formfehlern der Gerichte unschuldig oder nicht die Täter gewesen. Viele der Hingerichteten waren geistig teils bis stark behindert. Die Tötungsdelikte sind in den Staaten mit der Todesstrafe um 40%! höher als in den 12 Staaten ohne diesem Freibrief des legitimen Mordens.

Die Abschaffung der Todesstrafe wird nicht nur von den Menschenrechtsorganisationen und zum beträchtlichen Teil von den Amerikanern selbst gefordert. Leider ist dieses Gesetz bei jedem Wahlkampf um ein Gouverneuramt ein beliebtes Mittel, um Stärke zu demonstrieren. Selbst der in Europa sehr beliebte Bill Clinton hat in seinem Wahlkampf um das Präsidentenamt als Gouverneur eine Begnadigung eines geistig Behinderten verweigert, um den harten und entschlossenen Kandidaten zu mimen.

Denken wir an den Irakkrieg oder die jüngsten Diskussionen über die Gefangenentransporte der CIA in Europa. Warum soll man nicht foltern dürfen, wenn schon das Morden erlaubt ist. So mancher unliebsame Gegner oder Andersdenkende kann so mit ruhigem Gewissen entsorgt werden, der Schritt dorthin ist nur ein kleiner.

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