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Samstag, 17. Juni 2006
Rückblick / pogledam nazaj
nicodemus, 14:07h
Abgesehen von geschwisterlichen und elterlichen Besuchen gibt es nur zwei Gründe an die Stätte der Kindheit für einige Tage zurück zu kehren. Entweder hat sich in der Erinnerung eine beschauliche Romantik über die vergangenen Zeiten des Werdens ausgebreitet oder statt verklärter Kindheitssicht, treten einem Dämon gleich die Jahre des Kind- und Jugendlichseins zutage. Vor Ort relativiert sich das Gefühl, es entspricht weder der Erinnerung in Abwesenheit noch der vergangenen Realität. Freude, Trauer graben sich aus dem Inneren hoch, imaginäre Türen zu damaligen Emotionen werden geöffnet und heraus fließt das Leben das geprägt hat. Und dennoch entspricht es nicht vollständig der wahren Empfindung von Damals. Zu viel inzwischen Gelebtes nimmt den amplitudenhaften Emotionsbegegnungen die Spitzen und die Tiefen. Das innere Messinstrument zu eichen, den Ausschlag nach oben und unten wieder spüren, die Gleichempfindlichkeit abzuschütteln, dazu dient ein Sehen und Fühlen am Ort der ersten Prägung.

Die Landschaft hat an schmerzhaft schöner Idylle durch die Abwesenheit gewonnen. Einige Tage, um die hier erlebten Jahre wieder mal zu spüren, einzutauchen in die erzählten Geschichten und erlebten Zeiten reichen nicht. Der Hof, das Haus, Wiesen, Felder, Wege , alles Vertraute, alte Bekannte die sich nun mit wenig Leben erfüllt, beschauen lassen. Alle Farben und Töne der Landschaft sind eingebrannt und in der Vorstellung wechselt das satte Grün der Gräser und Wälder problemlos ins herbstliche Bunt oder das schwere, weich zeichnende Licht des Sommers. Die Begleiter von früher sind gestorben mit dem Wissen der Verbundenheit zu dem Stück Erde das sie Mühe gekostet aber auch Freude gebracht hat oder sie sind weggezogen in ein leichteres, sicheres, komfortableres Leben. Kein Rufen nach den Kindern, kein Gerassel von Ketten aus dem Stall und auch das rumoren der hungrigen Tiere ist verstummt. Am alten Zuggeschirr der Pferde ist das Leder porös geworden, der mit Kalfonium gewachstem Garn der Nähte ist nicht mehr zu erkennen. Auf dem Speicher stehen noch die schweren Holzwagen für den Transport mit Pferden und die kleine dachlose Kutsche, das Lieblingsgefährt der Kinder wenn es den mal zu hohen Feiertagen oder Trauerfeierlichkeiten hinter das massige Pferd gespannt wurde, unproportional groß das mit Trauerbändern geschmückte Zugpferd zu der zierlichen Kutsche. Geregelte Aufgaben und Mitwirken am Hof begleitete die Kindheit, kein Tag ohne Wasser für die Tiere aus dem Brunnen zu schöpfen, bei sommerlicher Trockenheit aus dem entfernten See zu holen, im Frühling morgens die Kühe auf die Waldweiden zu bringen und spät abends beinahe schlafend das Essen zu verschlingen. Das sind die alltäglichen Dinge gewesen die sich nicht verscheuchen lassen. Ich habe das Gefühl den blechernen Eimer mit dem Seil suchen zu müssen um die Tränke zu füllen, den eisernen Korb holen und hinter der Scheune gespaltenes Holz zum Kochen und Brot backen in die Küche bringen, die dreispießige Gabel in der Hand um die Stallungen zu säubern. Die anerzogene Rastlosigkeit von Damals treibt den Wunsch auf die Berge zu steigen und von oben den nächsten Gipfel erspähen um auch diesen vom sinnleeren Aufholen getrieben, zu erklimmen.

Die kindliche Welt, bis zum ersten Schultag behütet, abgeschirmt vom Wissen des Andersseins und der bitteren Erfahrung von Nichtdazugehören endete mit einem Schlag. Erst neugierig und erpicht darauf die Sprache der Lehrer zu lernen, sich verständlich machen um zu erzählen und mathematische Aufgaben auch in Deutsch zu lösen, nach kurzer Zeit die Erkenntnis das es nicht reicht die Sprachebarriere zu überschreiten. Nein, in den Augen der Anderen der sich als bessere Menschen, da deutsch sprechend, selbst Verherrlichenden blieb man der „Windische“ (Schimpfwort für Slowenen). Windiges Lavieren war schnell erlernt, zwischen den Zeilen windender Sätze über Toleranz war die Hoffnung auf Anerkennen, nicht vollwertig - immerhin ein wenig mehr, zu hören, wenn nur die mütterliche Sprache und die Kultur abgelegt, verleugnet wurden. Erstaunlich wie schnell und wie viele sich dem Angebot beugten und verleugneten das ihr Name auch ihre Herkunft verrät. Der Wunsch zu flüchten aus diesem Desaster von verlogenen Versprechen und Zweitrangigkeit war sehr früh geboren. Flucht an einen Ort der ahnungslos ist und nicht unterscheidet zwischen Sprachen und Mentalitäten. Der erste Aufbruch zur Flucht waren Bücher, später das rastlose Suchen von Städten weltweit. Nein, nichts mehr ist von dem Schaubar nur der lächerliche Wunsch es noch mal zu erleben. Diese dumme Ungeduld, manch Unverarbeitetes noch mal zu durchtauchen ohne das es einen Schmerz hinterlässt.
Das südliche Kärnten und die Landeshauptstadt Klagenfurt. Ein Landstrich, eine Stadt der Denk- und Mahnmähler für eine Freiheit die, die Deutschkärntner nach dem Kriegsende 1918 und dem Zerfall des maroden Kaiserreiches mit den seit Jahrhunderten hier beheimateten Slowenen gegen die Machtansprüche des damaligen Jugoslawien erkämpften, auch unter der Mithilfe und des diplomatischen Eingreifens des Obersten Rats der Alliierten in Paris. 1920 bekannte sich die Mehrheit der Slowenen in einer Volksabstimmung zu Österreich, zu ihrer angestammten Heimat, zum sprachlichen Spagat zwischen deutschen Kaisern, Fürsten, deutschnationalen Landeshauptmännern und der eigenen Kultur. Zugegeben, mit Lockungen und Versprechen die tunlichst nach der Auszählung der Stimmen wieder revidiert wurden und so eine Kulturgruppe sekundärer, wenn nicht minderer Kärntner entstand. Die Geschichte ist auch hier eine Folge von Wiederholungen. Nach 1945 versuchte Jugoslawien wieder die Wirrnisse des Kriegsendes zu nutzen um das südliche Kärnten als ersten Schritt aus dem panserbischen Wunsch eine Realität zu schaffen. Die, in den letzten Kriegstagen aus Italien einrückenden Alliierten drängten die Jugoslawen wieder hinter die Grenze. Betroffen von den Morden und Vertreiben während des zweiten Weltkrieges waren die Menschen die an der Grenze lebten. In erster Linie Slowenen. Männer, Brüder und Söhne der Familien, vorwiegend waren es Bauern, wurden von den Nazis eingezogen, an den Fronten verheizt und zuhause im Niemandsland zwischen Faschismus und antifaschistischen Partisanen wurden die slowenischen Familien deportiert oder ermordet – von beiden Seiten. Wehrte sich jemand aus politischem Desinteresse oder Überzeugung gegen die Befehle der kommunismusnahen Partisanen wurden kurzerhand alle Verwandten vom Greis bis zum Säugling massakriert. Nicht anders erging es den Menschen die dem Druck nicht standhielten und die Freischärler aus dem Süden mit Nahrungsmittel und Unterschlupf versorgten. Hier griffen die Nazis ein und entledigten sich der Verirrten auf gleich brutale Weise. „In der Nacht kam der Tod über die Karawanken und am Tag wüteten mordend die Nazis an den Überlebenden…“ erzählte mir eine ältere Dame aus der Gegend, vor einigen Jahren. Die Nazis, das waren keine Soldaten aus dem Kernland des Dritten Reiches, diese Nazis kamen aus dem nächsten Dorf, aus der nächsten Stadt, es waren „deutsche Kärntner“.

Es ist auch eine Stadt in der die Geschichte nach Gutdünken gebogen und interpretiert wird. Die historischen Scheuklappen mussten schon sehr eng gestellt worden sein um ein Denkmahl für die von den Partisanen Ermordeten vor dem Klagenfurter Dom zu errichten. Ein Erinnern an die Ermordeten Klagenfurter Juden, Romas und Sinti, Andersdenkenden und die aus der Heimat vertriebenen Slowenen ist nicht zu finden. Zu viele ehrenhafte Bürger die mitmachten und die Vergangenheit einer Demenz gleich verschollen aus dem Gedächtnis. Wenige, sehr wenige sind mutig genug eine brauchbare Form von geschichtlicher Bewältigung zu betreiben.
2006: Anders als noch in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts sprechen und verstehen die Slowenen alle Deutsch und die Sprache aus der sie geboren sind klingt beinahe fremd. Kinder dürfen wieder slowenische Kindergärten besuchen und in den Schulen besinnt man sich der gemeinsamen Geschichte. Kulturelle Eigenheiten haben sich vermischt und selten denkt man noch an die gesprengten Denkmähler und abgerissenen Ortstafeln von früher. Oberflächlich scheint alles weit entfernt und vergessen. Es gibt kein Jugoslawien mehr. Die panserbische Idee glimmt im Untergrund und wurde nicht mit Milosevic begraben. Ein geborener Kärntner, Peter Handke trauert um diesen unberechenbaren Psychotiker, verehrt und beehrt ihn am Grab. Der Tod des Cholerikers, ist er ein Hoffnungsschimmer des Friedens für die Menschen am Balkan? Der ehemals zweite Erzfeind Slowenien ist politisch und wirtschaftlich in einem aufstrebenden Kurs, hat Kärnten wirtschaftlich überholt, nebenbei auch noch EU-Mitglied. Der Kärntner Abwehrkämpferbund besteht weiterhin und windet sich in Berechtigungserklärungen.
Zum dreißigsten Mal wird die literarische Sau durch die Stadt getrieben um Feuilletons der FAZ, NZZ und Süddeutschen zu füllen Eine versöhnende Geste für Ingeborg Bachmann. Bei der Menge an Denkstätten habe ich das „Robert Musil Haus“ nicht gefunden. Das Stück „Die Brandstifter“ wird nicht auf der Bühne des Staatstheaters gespielt. Einige Straßenzüge südlich ist die beamtete Stube des Possenreißers und Brandstifters dem ein ganzes Bundesland als Bühne zu Füssen liegt. Gesetzte und Vereinbarungen werden umgangen und die ortsankündenden Tafeln um einige Zentimeter versetzt damit diese nicht in zwei Sprachen das zu Erwartende künden. Was wären auch die zweisprachigen Ortstafeln heute? Nicht mehr als Grabmähler für eine längst verlorene Sprache und dialektische Eigenheiten. Nein, die Lettern dürfen sich nur in Deutsch vom reflektierenden Weiß abheben. Eine ernsthaft gemeinte Provinzposse die ohne Bedeutung wäre, wen der Hans Wurst nicht manchmal seine manische Phase dahingehend ausleben würde in dem er allen Ausländern und Fremden welcher Hautfarbe, Nationalität oder Religionszugehörigkeit auch immer zeigt wer der Herr ist, wer willkommen ist und wer draußen bleiben soll. Seine Nazi und SS verehrenden Weißheiten sind nicht mehr öffentlich zu vernehmen und was im Freundeskreis gesagt wird dringt auch nicht nach außen. Die richtigen Freunde finden sich hier schnell, es gibt eine Menge davon. So mancher Herrgottswinkel schmückt sich nicht allein mit dem Gekreuzigten, darunter im schlichten Rahmen das leicht verblichene schwarzweiß Bild des Großvaters in Wehrmachts- oder SS Uniform. Eine Ikone hat auch eine Rückseite und so mancher verbirgt hier seine wahre und unveränderte Gesinnung.

Die Landschaft hat an schmerzhaft schöner Idylle durch die Abwesenheit gewonnen. Einige Tage, um die hier erlebten Jahre wieder mal zu spüren, einzutauchen in die erzählten Geschichten und erlebten Zeiten reichen nicht. Der Hof, das Haus, Wiesen, Felder, Wege , alles Vertraute, alte Bekannte die sich nun mit wenig Leben erfüllt, beschauen lassen. Alle Farben und Töne der Landschaft sind eingebrannt und in der Vorstellung wechselt das satte Grün der Gräser und Wälder problemlos ins herbstliche Bunt oder das schwere, weich zeichnende Licht des Sommers. Die Begleiter von früher sind gestorben mit dem Wissen der Verbundenheit zu dem Stück Erde das sie Mühe gekostet aber auch Freude gebracht hat oder sie sind weggezogen in ein leichteres, sicheres, komfortableres Leben. Kein Rufen nach den Kindern, kein Gerassel von Ketten aus dem Stall und auch das rumoren der hungrigen Tiere ist verstummt. Am alten Zuggeschirr der Pferde ist das Leder porös geworden, der mit Kalfonium gewachstem Garn der Nähte ist nicht mehr zu erkennen. Auf dem Speicher stehen noch die schweren Holzwagen für den Transport mit Pferden und die kleine dachlose Kutsche, das Lieblingsgefährt der Kinder wenn es den mal zu hohen Feiertagen oder Trauerfeierlichkeiten hinter das massige Pferd gespannt wurde, unproportional groß das mit Trauerbändern geschmückte Zugpferd zu der zierlichen Kutsche. Geregelte Aufgaben und Mitwirken am Hof begleitete die Kindheit, kein Tag ohne Wasser für die Tiere aus dem Brunnen zu schöpfen, bei sommerlicher Trockenheit aus dem entfernten See zu holen, im Frühling morgens die Kühe auf die Waldweiden zu bringen und spät abends beinahe schlafend das Essen zu verschlingen. Das sind die alltäglichen Dinge gewesen die sich nicht verscheuchen lassen. Ich habe das Gefühl den blechernen Eimer mit dem Seil suchen zu müssen um die Tränke zu füllen, den eisernen Korb holen und hinter der Scheune gespaltenes Holz zum Kochen und Brot backen in die Küche bringen, die dreispießige Gabel in der Hand um die Stallungen zu säubern. Die anerzogene Rastlosigkeit von Damals treibt den Wunsch auf die Berge zu steigen und von oben den nächsten Gipfel erspähen um auch diesen vom sinnleeren Aufholen getrieben, zu erklimmen.

Die kindliche Welt, bis zum ersten Schultag behütet, abgeschirmt vom Wissen des Andersseins und der bitteren Erfahrung von Nichtdazugehören endete mit einem Schlag. Erst neugierig und erpicht darauf die Sprache der Lehrer zu lernen, sich verständlich machen um zu erzählen und mathematische Aufgaben auch in Deutsch zu lösen, nach kurzer Zeit die Erkenntnis das es nicht reicht die Sprachebarriere zu überschreiten. Nein, in den Augen der Anderen der sich als bessere Menschen, da deutsch sprechend, selbst Verherrlichenden blieb man der „Windische“ (Schimpfwort für Slowenen). Windiges Lavieren war schnell erlernt, zwischen den Zeilen windender Sätze über Toleranz war die Hoffnung auf Anerkennen, nicht vollwertig - immerhin ein wenig mehr, zu hören, wenn nur die mütterliche Sprache und die Kultur abgelegt, verleugnet wurden. Erstaunlich wie schnell und wie viele sich dem Angebot beugten und verleugneten das ihr Name auch ihre Herkunft verrät. Der Wunsch zu flüchten aus diesem Desaster von verlogenen Versprechen und Zweitrangigkeit war sehr früh geboren. Flucht an einen Ort der ahnungslos ist und nicht unterscheidet zwischen Sprachen und Mentalitäten. Der erste Aufbruch zur Flucht waren Bücher, später das rastlose Suchen von Städten weltweit. Nein, nichts mehr ist von dem Schaubar nur der lächerliche Wunsch es noch mal zu erleben. Diese dumme Ungeduld, manch Unverarbeitetes noch mal zu durchtauchen ohne das es einen Schmerz hinterlässt.
Das südliche Kärnten und die Landeshauptstadt Klagenfurt. Ein Landstrich, eine Stadt der Denk- und Mahnmähler für eine Freiheit die, die Deutschkärntner nach dem Kriegsende 1918 und dem Zerfall des maroden Kaiserreiches mit den seit Jahrhunderten hier beheimateten Slowenen gegen die Machtansprüche des damaligen Jugoslawien erkämpften, auch unter der Mithilfe und des diplomatischen Eingreifens des Obersten Rats der Alliierten in Paris. 1920 bekannte sich die Mehrheit der Slowenen in einer Volksabstimmung zu Österreich, zu ihrer angestammten Heimat, zum sprachlichen Spagat zwischen deutschen Kaisern, Fürsten, deutschnationalen Landeshauptmännern und der eigenen Kultur. Zugegeben, mit Lockungen und Versprechen die tunlichst nach der Auszählung der Stimmen wieder revidiert wurden und so eine Kulturgruppe sekundärer, wenn nicht minderer Kärntner entstand. Die Geschichte ist auch hier eine Folge von Wiederholungen. Nach 1945 versuchte Jugoslawien wieder die Wirrnisse des Kriegsendes zu nutzen um das südliche Kärnten als ersten Schritt aus dem panserbischen Wunsch eine Realität zu schaffen. Die, in den letzten Kriegstagen aus Italien einrückenden Alliierten drängten die Jugoslawen wieder hinter die Grenze. Betroffen von den Morden und Vertreiben während des zweiten Weltkrieges waren die Menschen die an der Grenze lebten. In erster Linie Slowenen. Männer, Brüder und Söhne der Familien, vorwiegend waren es Bauern, wurden von den Nazis eingezogen, an den Fronten verheizt und zuhause im Niemandsland zwischen Faschismus und antifaschistischen Partisanen wurden die slowenischen Familien deportiert oder ermordet – von beiden Seiten. Wehrte sich jemand aus politischem Desinteresse oder Überzeugung gegen die Befehle der kommunismusnahen Partisanen wurden kurzerhand alle Verwandten vom Greis bis zum Säugling massakriert. Nicht anders erging es den Menschen die dem Druck nicht standhielten und die Freischärler aus dem Süden mit Nahrungsmittel und Unterschlupf versorgten. Hier griffen die Nazis ein und entledigten sich der Verirrten auf gleich brutale Weise. „In der Nacht kam der Tod über die Karawanken und am Tag wüteten mordend die Nazis an den Überlebenden…“ erzählte mir eine ältere Dame aus der Gegend, vor einigen Jahren. Die Nazis, das waren keine Soldaten aus dem Kernland des Dritten Reiches, diese Nazis kamen aus dem nächsten Dorf, aus der nächsten Stadt, es waren „deutsche Kärntner“. 
Es ist auch eine Stadt in der die Geschichte nach Gutdünken gebogen und interpretiert wird. Die historischen Scheuklappen mussten schon sehr eng gestellt worden sein um ein Denkmahl für die von den Partisanen Ermordeten vor dem Klagenfurter Dom zu errichten. Ein Erinnern an die Ermordeten Klagenfurter Juden, Romas und Sinti, Andersdenkenden und die aus der Heimat vertriebenen Slowenen ist nicht zu finden. Zu viele ehrenhafte Bürger die mitmachten und die Vergangenheit einer Demenz gleich verschollen aus dem Gedächtnis. Wenige, sehr wenige sind mutig genug eine brauchbare Form von geschichtlicher Bewältigung zu betreiben.
2006: Anders als noch in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts sprechen und verstehen die Slowenen alle Deutsch und die Sprache aus der sie geboren sind klingt beinahe fremd. Kinder dürfen wieder slowenische Kindergärten besuchen und in den Schulen besinnt man sich der gemeinsamen Geschichte. Kulturelle Eigenheiten haben sich vermischt und selten denkt man noch an die gesprengten Denkmähler und abgerissenen Ortstafeln von früher. Oberflächlich scheint alles weit entfernt und vergessen. Es gibt kein Jugoslawien mehr. Die panserbische Idee glimmt im Untergrund und wurde nicht mit Milosevic begraben. Ein geborener Kärntner, Peter Handke trauert um diesen unberechenbaren Psychotiker, verehrt und beehrt ihn am Grab. Der Tod des Cholerikers, ist er ein Hoffnungsschimmer des Friedens für die Menschen am Balkan? Der ehemals zweite Erzfeind Slowenien ist politisch und wirtschaftlich in einem aufstrebenden Kurs, hat Kärnten wirtschaftlich überholt, nebenbei auch noch EU-Mitglied. Der Kärntner Abwehrkämpferbund besteht weiterhin und windet sich in Berechtigungserklärungen.
Zum dreißigsten Mal wird die literarische Sau durch die Stadt getrieben um Feuilletons der FAZ, NZZ und Süddeutschen zu füllen Eine versöhnende Geste für Ingeborg Bachmann. Bei der Menge an Denkstätten habe ich das „Robert Musil Haus“ nicht gefunden. Das Stück „Die Brandstifter“ wird nicht auf der Bühne des Staatstheaters gespielt. Einige Straßenzüge südlich ist die beamtete Stube des Possenreißers und Brandstifters dem ein ganzes Bundesland als Bühne zu Füssen liegt. Gesetzte und Vereinbarungen werden umgangen und die ortsankündenden Tafeln um einige Zentimeter versetzt damit diese nicht in zwei Sprachen das zu Erwartende künden. Was wären auch die zweisprachigen Ortstafeln heute? Nicht mehr als Grabmähler für eine längst verlorene Sprache und dialektische Eigenheiten. Nein, die Lettern dürfen sich nur in Deutsch vom reflektierenden Weiß abheben. Eine ernsthaft gemeinte Provinzposse die ohne Bedeutung wäre, wen der Hans Wurst nicht manchmal seine manische Phase dahingehend ausleben würde in dem er allen Ausländern und Fremden welcher Hautfarbe, Nationalität oder Religionszugehörigkeit auch immer zeigt wer der Herr ist, wer willkommen ist und wer draußen bleiben soll. Seine Nazi und SS verehrenden Weißheiten sind nicht mehr öffentlich zu vernehmen und was im Freundeskreis gesagt wird dringt auch nicht nach außen. Die richtigen Freunde finden sich hier schnell, es gibt eine Menge davon. So mancher Herrgottswinkel schmückt sich nicht allein mit dem Gekreuzigten, darunter im schlichten Rahmen das leicht verblichene schwarzweiß Bild des Großvaters in Wehrmachts- oder SS Uniform. Eine Ikone hat auch eine Rückseite und so mancher verbirgt hier seine wahre und unveränderte Gesinnung.
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Dienstag, 13. Juni 2006
Time to make friends
nicodemus, 09:58h
WM 2006! Kein Schritt auf der Strasse, kein Blick in ein Schaufenster, kein Radio- oder Fernsehprogramm ohne diese lästige Penetration – Fußballweltmeisterschaft 2006! Eine Werbeidee dumpfer, wiederholender als die Nächste. Ein Wettkampf der Einfältigkeit um Brötchen, Matratzen, Wundheilpflaster, Schlittschuhe und Bier an den zwangsbegeisterten Konsumenten zu bringen Selbst Mozart und Goethe werden ohne Zustimmung rekrutiert und die orthodoxe Ikonenmalerei als der Vorläufer heutiger verehrter Fußballhelden geflissentlich gepriesen. Man stelle sich das Bildnis Ballacks, das Haupt umkreist vom goldenen Heiligenschein, auf einer handgehobelten Eichenholztafel verewigt vor. Nichts Öffentliches und nichts heilig Intimes das nicht dem Runden fürs Eckige herhalten muss.
Nein, ich bin kein wirklicher Fußballfan, ganz zu schweigen von einem favorisierten Erst- oder Zweitliga Verein. Aber eine Weltmeisterschaft hat eine andere Dynamik, vor allem wenn sie vor der Haustür stattfindet und Emotionen der begeisterten Masse hautnah fühlbar werden.

Die Frankfurter Sky Arena am Main (Public Viewing) bietet Hunderttausenden Besuchen Platz für ein gemeinsames Mitfiebern und Erleben der Spiele auf riesigen Bildschirmen. Nationen vermischen sich zu einem friedlich kochenden Event und viele Sprachen sind keine Barriere um Meinungen und Siegesrufe auszutauschen. Dominierend am Freitagabend zur übertragenen Eröffnung der Weltmeisterschaft waren nicht die Deutschen, Engländer so weit das Auge reicht und das Ohr bei diesem Lärm ein Wort verständlich ausmachen kann. Sangesfreudige Insulaner, vom Immobilienmakler aus Mancaster bis zum Dachdecker aus Yorkshire strömten zum Mainufer, ließen sich durchsuchen bevor der Bühnenbereich betreten durften. Der Halbliterbecher mit Bier reichte meist nicht um den Durst der Hitze zu stillen und die Heiserkeit aus gemeinschaftlichem Gesang geboren, zu lindern. Einen ganzen Liter im Plastikbecher, schnell warm aber sicher, falls er aus versehen jemanden am Kopf fällt. „Das sind keine Houligans“ erklärte ein Engländer im weißen T-Shirt mit rotem Kreuz an der Schulter „…das ist der englische Song Contest“ der rot gesottenen Oberkörper.

Ausgelassene Fröhlichkeit mit prickelnder Spannung auf den Strassen und Plätzen, keine Aggressionen oder aufwallender Unmut,auch nicht gegen die Polizei die sich mit großem Aufgebot im Hintergrund hielt. Kleine Eskalationen wurden mit einer Hundertschaft schnell beendet und die Justitia überm Brunnen am Römer kleidete sich mit englischen Fahnen, wurde von mutigen Kletterern singender weise beehrt und liebkost. Dem deutschen Bier sei Dank! Nicht anders erging es Karl dem Großen, den in Stein gehauenen Bewahrer deutscher Heldentaten und Inbegriff germanischen Mutes. Auch er wurde zum Sachsen, zum Angelsachsen gekleidet. Deutsche Fußballidentität bröckelte hie und da am Samstagabend nach dem unverdienten Sieg der Engländer. „Neun deutsche Bomber flogen nach Britannien…die Royal Air Force steig auf und es waren nur mehr acht…“. So mancher verzog die Miene – sofern verstanden - bis kein deutscher Bomber über englischem Eiland mehr besungen werden konnte. Nach altehrwürdiger Inselsitte wird Bier über die Singenden vergossen und das Lied beginnt von vorne, wieder mit neun deutschen Bombern. Eigenartig die Nachwehen, sowohl auf der einen Seite mit in Kunststoff gegossenen Kriegshelmen und aufblasbaren Messerschmitts grölenden Britten und im Vorbeischlendern die gesenkten Blicke der Deutschen – schuldbewusst? Diese Zeit wird wohl lange ein Stachel auf beiden Seiten im Fleisch des Erinnerns bleiben.

Es ist einfach begeisternd zu sehen und zu fühlen, das es möglich ist miteinander auszukommen und in Freundschaft zu begegnen, egal welche Hautfarbe, welche Nationalität und welche Religion auch immer. Ein großes Lob auch den Frankfurtern die freudig den Gästen auf Fragen antworten und manchmal radebrechend den Weg zur Äppelweinkneipe oder in die Stadt erklären. Ungewohnt freundlich und zuvorkommend sind die Begegnung der Gäste mit den dienstschiebenden Polizisten und Mitarbeiter der Security Dienste. Time to be a friend!
Weiteres Stimmungsbild bei http://bembelkandidat.blogg.de/eintrag.php?id=810
Nein, ich bin kein wirklicher Fußballfan, ganz zu schweigen von einem favorisierten Erst- oder Zweitliga Verein. Aber eine Weltmeisterschaft hat eine andere Dynamik, vor allem wenn sie vor der Haustür stattfindet und Emotionen der begeisterten Masse hautnah fühlbar werden.

Die Frankfurter Sky Arena am Main (Public Viewing) bietet Hunderttausenden Besuchen Platz für ein gemeinsames Mitfiebern und Erleben der Spiele auf riesigen Bildschirmen. Nationen vermischen sich zu einem friedlich kochenden Event und viele Sprachen sind keine Barriere um Meinungen und Siegesrufe auszutauschen. Dominierend am Freitagabend zur übertragenen Eröffnung der Weltmeisterschaft waren nicht die Deutschen, Engländer so weit das Auge reicht und das Ohr bei diesem Lärm ein Wort verständlich ausmachen kann. Sangesfreudige Insulaner, vom Immobilienmakler aus Mancaster bis zum Dachdecker aus Yorkshire strömten zum Mainufer, ließen sich durchsuchen bevor der Bühnenbereich betreten durften. Der Halbliterbecher mit Bier reichte meist nicht um den Durst der Hitze zu stillen und die Heiserkeit aus gemeinschaftlichem Gesang geboren, zu lindern. Einen ganzen Liter im Plastikbecher, schnell warm aber sicher, falls er aus versehen jemanden am Kopf fällt. „Das sind keine Houligans“ erklärte ein Engländer im weißen T-Shirt mit rotem Kreuz an der Schulter „…das ist der englische Song Contest“ der rot gesottenen Oberkörper.

Ausgelassene Fröhlichkeit mit prickelnder Spannung auf den Strassen und Plätzen, keine Aggressionen oder aufwallender Unmut,auch nicht gegen die Polizei die sich mit großem Aufgebot im Hintergrund hielt. Kleine Eskalationen wurden mit einer Hundertschaft schnell beendet und die Justitia überm Brunnen am Römer kleidete sich mit englischen Fahnen, wurde von mutigen Kletterern singender weise beehrt und liebkost. Dem deutschen Bier sei Dank! Nicht anders erging es Karl dem Großen, den in Stein gehauenen Bewahrer deutscher Heldentaten und Inbegriff germanischen Mutes. Auch er wurde zum Sachsen, zum Angelsachsen gekleidet. Deutsche Fußballidentität bröckelte hie und da am Samstagabend nach dem unverdienten Sieg der Engländer. „Neun deutsche Bomber flogen nach Britannien…die Royal Air Force steig auf und es waren nur mehr acht…“. So mancher verzog die Miene – sofern verstanden - bis kein deutscher Bomber über englischem Eiland mehr besungen werden konnte. Nach altehrwürdiger Inselsitte wird Bier über die Singenden vergossen und das Lied beginnt von vorne, wieder mit neun deutschen Bombern. Eigenartig die Nachwehen, sowohl auf der einen Seite mit in Kunststoff gegossenen Kriegshelmen und aufblasbaren Messerschmitts grölenden Britten und im Vorbeischlendern die gesenkten Blicke der Deutschen – schuldbewusst? Diese Zeit wird wohl lange ein Stachel auf beiden Seiten im Fleisch des Erinnerns bleiben.

Es ist einfach begeisternd zu sehen und zu fühlen, das es möglich ist miteinander auszukommen und in Freundschaft zu begegnen, egal welche Hautfarbe, welche Nationalität und welche Religion auch immer. Ein großes Lob auch den Frankfurtern die freudig den Gästen auf Fragen antworten und manchmal radebrechend den Weg zur Äppelweinkneipe oder in die Stadt erklären. Ungewohnt freundlich und zuvorkommend sind die Begegnung der Gäste mit den dienstschiebenden Polizisten und Mitarbeiter der Security Dienste. Time to be a friend!
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Dienstag, 23. Mai 2006
Moin, Moin
nicodemus, 00:20h
Irgendwo muss das Finden wieder beginnen. Ich versuche es mal zwischen Watt und Schafen, Muscheln und Robben. Der Horizont reicht vielleicht bis hinüber zu dem der verloren gegangen ist.

Raus aus den Schluchten zwischen den Kathedralen und Bürgerhäusern, der fehlenden Nacht und der lauten Tage, weg vom Klappern der Tastaturen und Summen der Kühlventilatoren. Flucht vom Lärm der nie versiegt und Staub der alles vergraut. Hin zur Symphonie des Windes und dem Wasserrauschen, zum flöten und trillieren, zu klaren dunklen Nächten übersäht von Millionen leuchtenden Punkten, Lichtjahre entfernt. Hin zur Luft die noch klar ist und der Regen nicht nur die Strassen wäscht.
impressionen (JPG, 2,038 KB)
leuchtpunkt (JPG, 2,030 KB)
verhaltene schoene (JPG, 1,957 KB)
wattwurmig (JPG, 1,966 KB)

Raus aus den Schluchten zwischen den Kathedralen und Bürgerhäusern, der fehlenden Nacht und der lauten Tage, weg vom Klappern der Tastaturen und Summen der Kühlventilatoren. Flucht vom Lärm der nie versiegt und Staub der alles vergraut. Hin zur Symphonie des Windes und dem Wasserrauschen, zum flöten und trillieren, zu klaren dunklen Nächten übersäht von Millionen leuchtenden Punkten, Lichtjahre entfernt. Hin zur Luft die noch klar ist und der Regen nicht nur die Strassen wäscht.
impressionen (JPG, 2,038 KB)
leuchtpunkt (JPG, 2,030 KB)
verhaltene schoene (JPG, 1,957 KB)
wattwurmig (JPG, 1,966 KB)
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Sonntag, 21. Mai 2006
Francoforte - il secondo
nicodemus, 13:19h
Ein Blog ist eine öffentliche Sache, jedermann zugänglich und damit auch Regeln unterworfen. Um Fotos (mit Menschen) zu veröffentlichen ist die Zustimmung der scharf oder unscharf Abgelichteten Voraussetzung. Natürlich kann diese Anonymitätsklausel umgangen werden in dem die Gesichter verschwinden oder unkenntlich schwarzverbalkt werden. Kurzum ich habe keinen der vier lesenden Blogger gefragt bzw. um Erlaubnis gebeten ein Bild von vorne (so mit Augen, Nase, Lippen und Brille), der Schokoladensahneseite veröffentlichen zu dürfen. Aus diesem Grund nützte ich die Gesetzteslücke und stelle Frau Klugscheisser, Herrn Mark, Frau Saintphalle und Herrn Bandini von Ihrer nicht weniger interessanten, aber unverfänglichen Backside zu Schau.

Draußen vor dem Leseaquarium wechselten die Stimmungen des Wetters, vom dunkelsten Grau mit peitschenden Regen bis zum strahlenden Sonnenschein und drinnen - sanfte, friedliche Bloggerstimmung. Im Gegenlicht werden die Lesenden zu Schattengestallten und je mehr Texte vorgetragen werden umso klarer schälen sich die Akteure ins Erkenntliche. Nur Herr Bandini blieb hinter dem samtroten Vorhang, vielleicht weil ihn inzwischen jeder kennt und seine (guten) Texte noch spannungsgeladener klingen. Herrn Marks Debüt als „Vorleser“ ist sehr gelungen, seine Geschichten Vergangenes erzählend ließen Erlebtes mitfühlen. Ebenso erheiternd wie auch berührend erzählten die beiden Damen aus ihrer Alltäglichkeit.
Natürlich ist so eine Lesung ein Bloggertreffen und immer wieder erstaunlich was für interessante Persönlichkeiten sich hinter den komischsten Blognamen stecken. So zum Beispiel Herr Narzissmusverdacht, ein Gespräch mit ihm ist auch Grund seine Site öfter zu besuchen. An alle nicht erschienen Kollegen aus Frankfurt und Umgebung: Ihr habt wahrlich was versäumt und der Eurovisions-Song-Contest war nur die zweite Wahl.

Draußen vor dem Leseaquarium wechselten die Stimmungen des Wetters, vom dunkelsten Grau mit peitschenden Regen bis zum strahlenden Sonnenschein und drinnen - sanfte, friedliche Bloggerstimmung. Im Gegenlicht werden die Lesenden zu Schattengestallten und je mehr Texte vorgetragen werden umso klarer schälen sich die Akteure ins Erkenntliche. Nur Herr Bandini blieb hinter dem samtroten Vorhang, vielleicht weil ihn inzwischen jeder kennt und seine (guten) Texte noch spannungsgeladener klingen. Herrn Marks Debüt als „Vorleser“ ist sehr gelungen, seine Geschichten Vergangenes erzählend ließen Erlebtes mitfühlen. Ebenso erheiternd wie auch berührend erzählten die beiden Damen aus ihrer Alltäglichkeit.
Natürlich ist so eine Lesung ein Bloggertreffen und immer wieder erstaunlich was für interessante Persönlichkeiten sich hinter den komischsten Blognamen stecken. So zum Beispiel Herr Narzissmusverdacht, ein Gespräch mit ihm ist auch Grund seine Site öfter zu besuchen. An alle nicht erschienen Kollegen aus Frankfurt und Umgebung: Ihr habt wahrlich was versäumt und der Eurovisions-Song-Contest war nur die zweite Wahl.
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Samstag, 13. Mai 2006
Frühlingskonzert
nicodemus, 17:06h
Zu den elterlichen Pflichten gehören nun mal auch Schulkonzerte, egal ob Frühlingserwachen, sommerliche Schwüle, weihnachtliches Gloria oder Schuljahresbeginn bzw. dessen Ende das Thema sind. Meist bekommt man dann zwei bis drei Tage vor der Veranstaltung einen Schnipsel Papier mit dem Stempel der Schule und einem Datum, vom Kind in die Hand gedrückt mit den Worten: „Du kommst doch und bitte vergiss nicht die Karte…und komm nicht zu spät. Wir treten als Zweite auf!“. Die Termine stehen schon seit langem fest und ich muss zugeben dass, das Erinnern schulischer Termine nur die Elternabende, Elternstammtische, Elternsprechtage und Schulausflüge beinhaltet. Hätte man, angenommen ein Kind das keine musikalische Ambitionen pflegt, würde es einem nicht in den Sinn kommen da hin zugehen. So ist es nicht! Das Kind singt im Unterstufenchor, ahmt Arien nach und kratzt am Cello, nicht täglich aber die zweimal pro Woche reichen um nachdenklich zu werden. Die Cellolehrerin behauptet jedes Mal was für tolle Fortschritte das Kind im Unterricht macht. Entweder sind Celloschüler eine rare Gattung oder mein musikalisches Gehör ist wenig bis gar nicht entwickelt, ich höre keine Fortschritte, so sehr ich mich auch bemühe, die gestrichen entlockten Töne verwandeln sich in keine Melodie. Heimlich, wenn das Kind morgens zur Schule gegangen ist, schäle ich das Instrument aus der Tasche, entblöße den Bogen aus dem Tuch und streiche sanft die Saiten. Freude steigt aus dem Bauch hoch über das Brustbein bis zu den Haarspitzen, Freude über die entstandenen Töne auch ohne Melodie. Eine Sehnsucht aus Kindertagen.
Aber von mir hat das Kind ja auch nicht die musische Begabung. Meine Karriere als Sänger und Musiker endete bereits in der ersten Klasse der Grundschule oder Volksschule wie es hieß. Beim Lied „..im Frühtau zu Berge…wir gehen walleraaaa…“ – Ja, ich bin in den Bergen des Südens aufgewachsen – versuchte die nette Lehrerin die tiefe brummende Stimme aus dem engelsgleichen Kinderchor mit vorne stehenden blondlockigen Mädchen, herauszufiltern. Nachdem sie meinen melodiösen Vortrag gehört hat war der Ungeist gefunden und ich wurde der küssenden Muse entrissen. Ab nun hatte ich während des Klassensingens die Aufgabe, ihr die Notenblätter hoch und den Mund zu halten. Andererseits war es für mich nicht wirklich eine Niederlage. Die Verantwortlichkeit für die Noten war etwas Besonderes und ich war dieser, so gut riechenden Lehrerin immer etwas näher als meine singenden Mitschüler. Es wohliger Schauer streifte meinen Körper wenn sie beim Vorsingen die Zähne entblößte, die Lippen spitzte und durch die Bluse ihr BH weiß, makellos schimmerte. Ähnlich erging es mir beinahe in bildnerischer Erziehung. Keine der von mir abgelieferten Zeichnungen wurden von ihr als die Meinen anerkannt, doch da hatte ich Rückendeckung von dem Mitschülern und somit erhielt ich bei ihr immer eine Note zwischen brauchbar und befriedigend. Den Lehrern ein Schnippchen schlagen war lange mein erklärtes Ziel und von Jahr zu Jahr wurden meine Interpretationen von gestellten zeichnerischen oder malerischen Aufgaben absurder. Die beste Note, die für meine Werke vergeben wurde war immer die zweitschlechteste. Prinzipiell wurde meine Arbeit als letzte gereicht und auch der Klasse als nicht wert „Kunst“ genant zu werden, vorgeführt. Bei einer Nachfrage an den Kunstbeurteilenden was er wohl Picasso für Noten gegeben hätte, erhielten meine Eltern einen Brief „…meine Kritik stellt den Kunstunterricht in Frage und wirke sich störend und negativ auf das Verhalten der Schüler aus“. Der Versuchung widerstehe ich jetzt nicht zu sagen „…es waren andere Zeiten“, war ja auch so. Wie etwas zu sein hat oder ist war geregelt und unumstößlich, unten im tiefen Süden. Jahre später hatte ich dennoch obsiegt. Der Briefschreibende Kunstbeurteiler sandte mir eine kümmerliche Postkarte mit Glückwünschen zur Ausstellung in Mailand und Los Angeles. Zu spät! Brotlos ist Kunst erkannte ich schmerzhaft.
Die Aula der Schule ist bis auf den letzten Platz gefüllt und ich zwänge mich an der Wand entlang zur Mitte um zu sehen und natürlich auch gesehen zu werden, vom Kind wenn es mit dem Unterstufenchor auftritt. Die Direktorin drängt durch die erwatungsvollen Eltern und Ahnverwandten der Künstler. „Sie sind doch Herr L.“ stellt sie plötzlich vor mir stehend fest. „Ach, entschuldigen sie Herr S. das ich sie verwechselt habe“ erklärt sie, vermutlich nach dem sie meinen skeptischen Ausdruck gemustert hat. „Nein, Frau K. es tut mir leid aber weder bin ich L. noch S.“ Etwas verwirrt entkommt ihr ein beinah verärgertes „Wer sind sie dann, ich kenne sie doch!“. Ja, wir kennen uns, mein Name ist E.“ sagte ich etwas süffisant und die Situation genießend. „Ihre Tochter ist doch Luisa, ach nein, na – Katharina?“ klang sie jetzt freudig. „Meine Tochter heißt V.“ gab ich in großzügiger Sprachmelodie zurück. Etwas gekränkt verabschiedete sie sich mit einer Entschuldigung und dankte mir für die großzügige Spende, die der der Schule zugekommen ist. Welche Spende? Ich habe im letzten Herbst zwar etwas Geld der Schule überwiesen, aber durchaus nicht eines öffentlichen Dankes wert. Die Augen der Umstehenden ruhten lächelnd und mit einem Hauch von Neid auf mir. Das aufsteigende Wohlgefühl suchte sich schuldig fühlend nach einer wirklichen Wohltat. Genieße es, dachte ich mir, das war der Dank für all die Spenden und Mitarbeit der letzten Jahre, angefangen im Kindergarten.
Im Gewirr der Stimmen und den spannungsgeladenen Tönen der einstimmenden Instrumente drückte sich die Direktorin zum Rednerpult, ans Mikrophon. Nach salbenden Worten zur Einführung dieses Frühlingskonzerts verneigte sich der Leiter des Orchesters vor dem spannungsgeladenen Publikum, drehte sich um und hob die Hand mit dem Taktstock. Stille. Auf Rührung wartende Elternaugen. Die ersten Töne setzen ein, Geigen, Trompeten, Querflöten, eine Pauke und leise, so nebenbei ein Klavier. „Titelmelodie Starwars“ steht auf den Programmblatt. Starwars, das ist für mich ein Inselutensil, die Melodie habe ich mir verinnerlicht und ohne Titelmelodie, ohne diese Einstimmung verliert Joda seine Macht der hellen Seite und die Prinzessin ihren kindlichen Liebreiz. Der Raum seine Unendlichkeit. Nichts davon erkenne ich aus dem Wirken des Zusammenspiels der Instrumente. Die Trompete schlägt die Streicher erbarmungslos ins Gewinsel, der Pauker schießt unverhofft Salven in die eigenen Reihen, zwischenrufend quäkt die Oboe, einem sich nicht öffnenden Lichtschwert gleich pfeifen die Querflöten durch das Schiff. Ein wahrer Kampf der Welten, nicht hörbar die Guten und nicht die dunkle Seite. Doch plötzlich verendet das Tongewirr und leise steigt, wie eine akustische Lichtgestalt die Melodie einer Geige hoch. Ein beachtliches Solo, zart, fein und genau. Eine zweite Geige erklingt zur Erhabenheit, unterstützt das Schweben der Töne bis wieder der General mit dem Taktstock die Kämpfer der Akustik in den Krieg befiehlt. Überraschter, verhaltener Applaus setzt ein. Irgendwie sind alle betroffen, Nicht erklärbar ob vom der erlebten Kampfhandlung oder überhöhter Erwartungen. Das zweite Stück des Orchesters zwingt meine Gedanken zu Umberto Eco´s foucoischen Pendel, in den Untergrund von Paris, zum schaurigen Schlendern durch Notre Dame, zu den Ritten der Templer und ihren unergründlichen Geheimnissen. „Das Phantom der Oper“, dieser Vortrag des Musikstücks lässt die dunklen Weiten einer versteckten Unterwelt der Pariser Oper erahnen. Kurze Pause! Das Orchester erhebt und verneigt sich – geht ab.
Rund hundert Kinder gehen eingeübt bedächtig auf die Bühne und stellen sich in drei hintereinander folgenden Reihen auf. Einer, dieser hysterischen Übermütter gleich bin ich versucht die Hand zum Winken zu erheben als das Kind die Bühne betritt. Die Linke hält die Rechte fest und der Blick auf das geliebte Kind gerichtet bis es mich bemerkt und nickt. Wie unterschiedlich groß die Elfjährigen sind geht es mir durch den Kopf und anders als erwartet überragt ein Teil der Mädels um einen Kopf die Größten der Jungs. Einer, der Laserstrahl abschießenden Trompeter (ein Lehrer) stellt sich vor dem Chor auf und fuchtelt das Zeichen des Beginns. „… ist… das...des Bassa Selim…Haus, - …ist…das...“ fragend nicht nur die Worte auch der Blick der Kinder. Nach einigen Takten versuchte eine kleine Gruppe die Arie aus der Oper „Entführung aus dem Serai“ etwas zu beschleunigen, durch das massive Eingreifen der Mitstreiter misslang dies Vorhaben und der gequälte Verlobte muss sich im vorgegebenen Andante quasi Piano gedulden. Mit einem Akzent mehr Schwung und Betonung, und der Vortrag ist hervorragend. Gut, ich gebe zu mit meiner Kritik im milden Bereich zu bleiben, zumal das Kind den Aufwand der Proben erklärt hat und die Tatsche des es zu keinem stimmlichen Kampf zwischen dem Suchenden und dem Haremsvorstand kam. Applaus, diesmal mit glücklichem Strahlen und so manches Auge feuchtete über das notwendige Mass. Wie gut, denke ich leise das die Talente (wenn teils auch vermeintlichen) der Kinder heute gefördert werden und am effizientesten gelingt das auch spielerisch und lobend. Das Ohr, die Augen und die Sinne zu schulen für Kultur und Kulturverständnis kann nur durch frühe Beteiligung wirklich verinnerlicht werden. Wer die eigene Geschichte begreift ist auch offen für weitere Einflüsse und interessiert gegenüber dem Anderen, dem Vielfältigen.
Mit einer guten Portion Stolz die Brust und das Glas in der Hand mit Sekt gefüllt, trete ich auf den Schulhof, genieße den milden Abend. Nur das mit dem Cello – das muss besser werden, liebe Tochter!
Aber von mir hat das Kind ja auch nicht die musische Begabung. Meine Karriere als Sänger und Musiker endete bereits in der ersten Klasse der Grundschule oder Volksschule wie es hieß. Beim Lied „..im Frühtau zu Berge…wir gehen walleraaaa…“ – Ja, ich bin in den Bergen des Südens aufgewachsen – versuchte die nette Lehrerin die tiefe brummende Stimme aus dem engelsgleichen Kinderchor mit vorne stehenden blondlockigen Mädchen, herauszufiltern. Nachdem sie meinen melodiösen Vortrag gehört hat war der Ungeist gefunden und ich wurde der küssenden Muse entrissen. Ab nun hatte ich während des Klassensingens die Aufgabe, ihr die Notenblätter hoch und den Mund zu halten. Andererseits war es für mich nicht wirklich eine Niederlage. Die Verantwortlichkeit für die Noten war etwas Besonderes und ich war dieser, so gut riechenden Lehrerin immer etwas näher als meine singenden Mitschüler. Es wohliger Schauer streifte meinen Körper wenn sie beim Vorsingen die Zähne entblößte, die Lippen spitzte und durch die Bluse ihr BH weiß, makellos schimmerte. Ähnlich erging es mir beinahe in bildnerischer Erziehung. Keine der von mir abgelieferten Zeichnungen wurden von ihr als die Meinen anerkannt, doch da hatte ich Rückendeckung von dem Mitschülern und somit erhielt ich bei ihr immer eine Note zwischen brauchbar und befriedigend. Den Lehrern ein Schnippchen schlagen war lange mein erklärtes Ziel und von Jahr zu Jahr wurden meine Interpretationen von gestellten zeichnerischen oder malerischen Aufgaben absurder. Die beste Note, die für meine Werke vergeben wurde war immer die zweitschlechteste. Prinzipiell wurde meine Arbeit als letzte gereicht und auch der Klasse als nicht wert „Kunst“ genant zu werden, vorgeführt. Bei einer Nachfrage an den Kunstbeurteilenden was er wohl Picasso für Noten gegeben hätte, erhielten meine Eltern einen Brief „…meine Kritik stellt den Kunstunterricht in Frage und wirke sich störend und negativ auf das Verhalten der Schüler aus“. Der Versuchung widerstehe ich jetzt nicht zu sagen „…es waren andere Zeiten“, war ja auch so. Wie etwas zu sein hat oder ist war geregelt und unumstößlich, unten im tiefen Süden. Jahre später hatte ich dennoch obsiegt. Der Briefschreibende Kunstbeurteiler sandte mir eine kümmerliche Postkarte mit Glückwünschen zur Ausstellung in Mailand und Los Angeles. Zu spät! Brotlos ist Kunst erkannte ich schmerzhaft.
Die Aula der Schule ist bis auf den letzten Platz gefüllt und ich zwänge mich an der Wand entlang zur Mitte um zu sehen und natürlich auch gesehen zu werden, vom Kind wenn es mit dem Unterstufenchor auftritt. Die Direktorin drängt durch die erwatungsvollen Eltern und Ahnverwandten der Künstler. „Sie sind doch Herr L.“ stellt sie plötzlich vor mir stehend fest. „Ach, entschuldigen sie Herr S. das ich sie verwechselt habe“ erklärt sie, vermutlich nach dem sie meinen skeptischen Ausdruck gemustert hat. „Nein, Frau K. es tut mir leid aber weder bin ich L. noch S.“ Etwas verwirrt entkommt ihr ein beinah verärgertes „Wer sind sie dann, ich kenne sie doch!“. Ja, wir kennen uns, mein Name ist E.“ sagte ich etwas süffisant und die Situation genießend. „Ihre Tochter ist doch Luisa, ach nein, na – Katharina?“ klang sie jetzt freudig. „Meine Tochter heißt V.“ gab ich in großzügiger Sprachmelodie zurück. Etwas gekränkt verabschiedete sie sich mit einer Entschuldigung und dankte mir für die großzügige Spende, die der der Schule zugekommen ist. Welche Spende? Ich habe im letzten Herbst zwar etwas Geld der Schule überwiesen, aber durchaus nicht eines öffentlichen Dankes wert. Die Augen der Umstehenden ruhten lächelnd und mit einem Hauch von Neid auf mir. Das aufsteigende Wohlgefühl suchte sich schuldig fühlend nach einer wirklichen Wohltat. Genieße es, dachte ich mir, das war der Dank für all die Spenden und Mitarbeit der letzten Jahre, angefangen im Kindergarten.
Im Gewirr der Stimmen und den spannungsgeladenen Tönen der einstimmenden Instrumente drückte sich die Direktorin zum Rednerpult, ans Mikrophon. Nach salbenden Worten zur Einführung dieses Frühlingskonzerts verneigte sich der Leiter des Orchesters vor dem spannungsgeladenen Publikum, drehte sich um und hob die Hand mit dem Taktstock. Stille. Auf Rührung wartende Elternaugen. Die ersten Töne setzen ein, Geigen, Trompeten, Querflöten, eine Pauke und leise, so nebenbei ein Klavier. „Titelmelodie Starwars“ steht auf den Programmblatt. Starwars, das ist für mich ein Inselutensil, die Melodie habe ich mir verinnerlicht und ohne Titelmelodie, ohne diese Einstimmung verliert Joda seine Macht der hellen Seite und die Prinzessin ihren kindlichen Liebreiz. Der Raum seine Unendlichkeit. Nichts davon erkenne ich aus dem Wirken des Zusammenspiels der Instrumente. Die Trompete schlägt die Streicher erbarmungslos ins Gewinsel, der Pauker schießt unverhofft Salven in die eigenen Reihen, zwischenrufend quäkt die Oboe, einem sich nicht öffnenden Lichtschwert gleich pfeifen die Querflöten durch das Schiff. Ein wahrer Kampf der Welten, nicht hörbar die Guten und nicht die dunkle Seite. Doch plötzlich verendet das Tongewirr und leise steigt, wie eine akustische Lichtgestalt die Melodie einer Geige hoch. Ein beachtliches Solo, zart, fein und genau. Eine zweite Geige erklingt zur Erhabenheit, unterstützt das Schweben der Töne bis wieder der General mit dem Taktstock die Kämpfer der Akustik in den Krieg befiehlt. Überraschter, verhaltener Applaus setzt ein. Irgendwie sind alle betroffen, Nicht erklärbar ob vom der erlebten Kampfhandlung oder überhöhter Erwartungen. Das zweite Stück des Orchesters zwingt meine Gedanken zu Umberto Eco´s foucoischen Pendel, in den Untergrund von Paris, zum schaurigen Schlendern durch Notre Dame, zu den Ritten der Templer und ihren unergründlichen Geheimnissen. „Das Phantom der Oper“, dieser Vortrag des Musikstücks lässt die dunklen Weiten einer versteckten Unterwelt der Pariser Oper erahnen. Kurze Pause! Das Orchester erhebt und verneigt sich – geht ab.
Rund hundert Kinder gehen eingeübt bedächtig auf die Bühne und stellen sich in drei hintereinander folgenden Reihen auf. Einer, dieser hysterischen Übermütter gleich bin ich versucht die Hand zum Winken zu erheben als das Kind die Bühne betritt. Die Linke hält die Rechte fest und der Blick auf das geliebte Kind gerichtet bis es mich bemerkt und nickt. Wie unterschiedlich groß die Elfjährigen sind geht es mir durch den Kopf und anders als erwartet überragt ein Teil der Mädels um einen Kopf die Größten der Jungs. Einer, der Laserstrahl abschießenden Trompeter (ein Lehrer) stellt sich vor dem Chor auf und fuchtelt das Zeichen des Beginns. „… ist… das...des Bassa Selim…Haus, - …ist…das...“ fragend nicht nur die Worte auch der Blick der Kinder. Nach einigen Takten versuchte eine kleine Gruppe die Arie aus der Oper „Entführung aus dem Serai“ etwas zu beschleunigen, durch das massive Eingreifen der Mitstreiter misslang dies Vorhaben und der gequälte Verlobte muss sich im vorgegebenen Andante quasi Piano gedulden. Mit einem Akzent mehr Schwung und Betonung, und der Vortrag ist hervorragend. Gut, ich gebe zu mit meiner Kritik im milden Bereich zu bleiben, zumal das Kind den Aufwand der Proben erklärt hat und die Tatsche des es zu keinem stimmlichen Kampf zwischen dem Suchenden und dem Haremsvorstand kam. Applaus, diesmal mit glücklichem Strahlen und so manches Auge feuchtete über das notwendige Mass. Wie gut, denke ich leise das die Talente (wenn teils auch vermeintlichen) der Kinder heute gefördert werden und am effizientesten gelingt das auch spielerisch und lobend. Das Ohr, die Augen und die Sinne zu schulen für Kultur und Kulturverständnis kann nur durch frühe Beteiligung wirklich verinnerlicht werden. Wer die eigene Geschichte begreift ist auch offen für weitere Einflüsse und interessiert gegenüber dem Anderen, dem Vielfältigen.
Mit einer guten Portion Stolz die Brust und das Glas in der Hand mit Sekt gefüllt, trete ich auf den Schulhof, genieße den milden Abend. Nur das mit dem Cello – das muss besser werden, liebe Tochter!
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