Mittwoch, 26. April 2006
Luminale 06
Raum mit Licht gestalten – Lichtgestalten!

Licht wie ein Wasserfall, stark, faszinierend ohne einen Laut.
Licht begrenzend, den Blick auf sich ziehend, die Nacht ausgrenzend.
Licht in den Bäumen, strahlend goldene Äpfel im Magnolienbaum.
Licht auf bewegten Schwingen einer Möwe, die zarten Federn durchbrechend.
Licht, leuchtendes Feuer weithin, wärmend und doch ohne Seele.
Licht als neues Kleid für grauen Beton, wie alles in Stille hüllender Schnee.









„Stadtfeuer“ mit Designer Ingo Wendt.







147.000 Watt auf einen Punkt gerichtet. Im gleißenden Mittelpunkt spürt man nicht nur die Kraft des Lichts, man riecht sie auch. Hier ist es auch nicht still. 57 Transformatoren summen für 57 Leuchten die Spannung von 220 Volt hoch.











Luminale 2006 vom 22 04.06 bis 27.04.06
Veranstaltungsorte: Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt.

Weitere, aktuelle Bilder unter http://light-building.messefrankfurt.com/frankfurt/de/fakten_bilder-detail.html?guid=mf_ddsp147_8178

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Mittwoch, 19. April 2006
Aussterben!
Ah, Deutschland!
Die Lenden deiner Söhne, kraftstrotzend verweigern sie sich
Die Schöße deiner Töchter, fruchtbar und verhalten….



Die Diskussion über das nahe gerückte Aussterben der Deutschen, dieser verspätete Abgesang von Familien und familiären Bünden, erfasst mich teils mit Freude und teils mit Melancholie. Politiker und vor allem -Innen, ebenso wie geistreiche Gesellschaftsforscher, Psychologen, Anthropologen, Biosoziologen und jeder der sich berufen fühlt, geben erschrocken und aus dem Ärmel schüttelnd Statements ab. Erklären zum zigsten Mal das der Deutschen zu wenige sind und in Zukunft noch weniger werden, bis hin zum letzten rheinischen Mohikaner. Schnell werden noch Schuldige gesucht, die dort gefunden werden wo man sie immer findet, bei den Anderen. Bei der anderen Partei, beim anderen Geschlecht.

Genau das ist der Punkt: die Männer! Weil die Männer seit der geschlechtlichen Revolution keine sexuelle Macht mehr ausüben dürfen und können, gründen sie keine Familien mehr, vor allem keine mit Kindern. Als realerotisch traumatisiert, ihrer Erektion durch die Gleichstellung der Frau beraubt, zurückgezogen in die virtuell heile Welt der unterwürfigen und gefügigen Frauen, werden sie beschrieben und besprochen. Manchmal schleicht das Gefühl hoch das früher, vor der Pille, vor Alice Schwarzer, vor der weiblichen Emanzipation vom Mann und Gebären Kinder gewaltsam gezeugt, Frauen nach Comicmanier an den Harren in die Wohnung (Höhle) geschleppt wurden und gegen ihren Willen begattet, schwanger wurden und gebären mussten. Nach der erlittenen „Schändung“ haben sie das Frühstück zubereitet, haben das Bier für ihren Schänder nebst einem Stück rohen Fleisch eingekauft, den Haushalt gefeudelt und die Söhne und Töchter zu aufrechneten deutschen Bürgern erzogen. Darauf geachtet dass alle eine gute Schulbildung bekamen, die Universität besuchten oder einen Beruf erlernten, damit sie eines Tages selbst entscheiden können Familien zu gründen oder lieber das großartige Leben zu genießen. Die Väter waren nach dem, das Weibliche diskriminierenden Akt der Zeugung nur noch Ernährer oder diejenigen die Grundlagen für eine (bessere) Zukunft beschafften. Anstelle einer Anerkennung für ihr Opfer und die Fürsorge für die Familie wurden sie gesellschaftlich als patriarchalische Schlagstockfaschisten, als Pantoffelhelden ihres spießigen Ideales von Familie, als potentielle Vergewaltiger und Kinderschänder geächtet.

Heute kaufen zeugungsfähige Männer Roadsters von BMW und Mercedes oder den Chayenne von Porsche, vorwiegend in Schwarz. Schwarz ist Ehrfurcht, gute Stellung, zeigt Potenz und Schwarz ist cool. Diese Helden der Aktiengesellschaften, der nach oben schwankenden Börsenkurse und stolperfrei glatten Versicherungen leben in serieller Polygamie und jetten mit ihren jeweiligen ebenso gut ausgebildeten und erfolgreichen Gespielinnen nach New York oder London, Barcelona oder Mailand mal übers Wochenende zum Relaxen und einkaufen. Investieren das verbleibende Gehalt in Fonds und Optionsscheine, beteiligen sich an Immobilien. Leisten sich Loftwohnungen mit Gaggenau Küchen, spät abends lesen sie auf ihrem B+B Sofa das Handelsblatt oder Harvard Business und hängen Flachbildschirme von B&O neben die Cassina Wohnwand mit integrierter Dolby Surround Anlage und über allem hängt der kitschig romantische Lüster von Lampert. In den wenigen Augenblicken zwischen dem satten Plong der Mikrowellenofentür und dem piepsen des Mikrowellenofens, das verkündet das die Tortellini speciale heiß sind, in dieser Minute denken sie kurz über die innere Leere und das Gefühl von „Istdasalles“ nach. Wenn der Bildschirm zu leben beginnt haben sie es schon wieder verdrängt, diese leise Sinnsuche, verschoben nach später, nach irgendwann.

Es gibt auch noch die Andern, die mit dem Spießerideal von Ehefrau und Kindern. Verbliebene, unverbesserliche Idealisten. Sie folgen nicht mehr nur den Spuren ihrer Väter. Die meisten leben ein neues Bild von Vaterschaft. Kümmern sich um die Kinder, entlasten die Frauen bei der Erziehung und Hausarbeit und manche verzichten auf Karriere und Ansehen im Beruf. Ihre Ehefrauen haben die besseren beruflichen Chancen und verdienen mehr. Diese Männer kaufen Windel statt Computerspiele, sind geübt im Trösten und Fiebermessen, beim Verabreichen von bitterer Medizin. Gestalten die Beziehungen zum Kindergarten, zur Schule mit. Bringen sich ein mit Verantwortung und manchmal mit einem Eimer Farbe wenn das Klassenzimmer neu gestrichen werden muss. Horte, Schulen und Kindergärten leiden chronisch an fehlenden Mitteln zur Sanierung. Väter der neuen Generation sind nicht mehr nur Beibringer von Ressourcen, sie leben ebenso die Mehrfachbelastung die eine Familie mit sich bringt. Wenn Ehen scheitern so übernehmen sie als Teilzeit- oder Alleinerziehende die Verantwortung, teilen ihr Leben ein, zwischen Beruf und Kind(ern), zwischen Tagungen und Meetings, Abendessen und durchwachten Nächten am Bett der kranken Kleinen. Auch sie haben manchmal Sehnsüchte die nichts mit ihrem wahren Leben zu tun haben, auch sie denken an zwei Wochen Urlaub ohne Verantwortung und knapper Kasse. Manchmal denken sie auch ans Alter, wenn es nicht gereicht hat für eine private Rentenversicherung oder daran was die Ausbildung der Kinder noch Kosten wird und daran wie sicher ihr Job ist. Emotional und örtlich gebunden sind keine guten Voraussetzungen für einen neuen Job. Gesellschaftlich belächelt schieben sie mutig den Kinderwagen, hören von Freunden das sie gerne zur Feier oder Party kommen können, aber bitte ohne Kind. Sie sind das schlechte Gewissen, die Spielverderber einer modernen Gesellschaft.

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Sonntag, 12. März 2006
Blogger Lesung in Frankfurt
Irgendwie war ich neugierig, auf die Blogger Lesung im Cafe International in Frankfurt, gestern Abend. Im Ranking der Neugierde stand an erster Stelle die Menschen hinter den Blogs mal in Natura zu sehen und nach Möglichkeit Da und Dort, mit Diesem oder Jenem einige Sätze zu wechseln, ganz einfach unterhalten. Beim Lesen und Kommentieren der Beiträge auf den unterschiedlichen Sites versuche ich mir den Menschen dahinter vorzustellen, hinter den Sätzen und zwischen den Zeilen. Nicht das ich anfange genaue Bilder von Größe, Statur oder Alter in meinen Gedanken zu malen, obwohl ich zugeben muss, das solche schattenhaften Umrisse sich immer nach vorne, in die bewussten Gedanken drängen. Im Blog geschriebne Wörter und Sätze sind ausgesucht, revidiert, mehr oder weniger passend zusammengestellt und einen falschen oder peinlichen Satz kann man immer noch löschen, vor oder nach der Freigabe im Netz. Interessant ist, den Menschen direkt im Gesamteindruck zu begegnen, seinen Ausdruck, die Körpersprache, das Gesagte mit den Bekannten aus den Beiträgen zu verbinden.

Das kleine Cafe füllte sich schnell mit Menschen von denen ich annehmen konnte dass sie Blogger sind, wer soll auch sonst von der Veranstaltung wissen. Mein Blick streifte über die Gesichter und ich versuchte mir vorzustellen wer wohl wer ist. Die untergründigen gedanklichen Bilder hervorkramend suchte ich die passenden Sites zu den Menschen. Ein junges Pärchen setzte sich auf den gegenüberstehen kleinen Tisch, augenscheinlich verliebt. Er holte Zigaretten aus der Jackentasche, schüttelte eine Zigarette aus der Softverpackung und steckte sie in den Mund. Seine Freundin drehte sich um und zischte ihn an „Muss das jetzt sein?!“. Solidarisch gab ich ihm Feuer und reichte ihm den reihum gehenden Aschenbecher. Der Mann neben mir und die Dame daneben erklärten, das sie Blogs nur lesen aber selber keine schreiben würden, da und dort mal einen Kommentar. Die Zeit fehle dazu selbst schreiben, erklärten Beide. Ja! - denke ich, bloggen fressen Zeit und manchmal auch den Haushaltsfrieden. Bei der Menge Leute musste ich mir auch eingestehen dass ich nur wenige Sites wirklich kenne oder besser öfter mal gelesen habe. Das Vorhaben Menschen und Blogs zu verbinden gebe ich auf als die Musik beendet wird und die Lesung beginnt.

Frau Suna, Andrea Diener, Herr Bandini und Herr Kid lesen. Die Texte von Herrn kid konnte ich mir in etwa vorstellen, etwas dunkel und schwermütig, fast existenziell mit einer großen Portion Sahne in Form von Humor. Frau Suna hat mich überrascht, die Melodie der Sprache klang vertraut und heimatlich. Die Texte detailhaft beschreibend, beinahe anteilnahmslos erzählend und dennoch treffen sie den Kern der Erzählung über Stimmungen, über familiäre Arbeitsteilung und Beobachtungen von Menschen in der Straßenbahn. Frau Diener erzählt ohne Zynismus über einige Stunden an der Rennbahn mit Flugsimulator, behütete Frauen und deren männliche Stützer auf dem Gang vom Cabriolet zur VIP Tribüne. Herr Bandini liest persönliche Geschichten aus seiner Kinderzeit und der Pubertät, erklärt ein wenig schamhaft Erektionsprobleme und die dazu gehörende ärztliche Therapie.

Meine, durch das lesen der Blogs erhaltenen Eindrücke haben mich nicht enttäuscht und die Menschen passen ganz gut zu dem Geschriebenem auf ihren Sites. Nicht hellseherisch gemeint, eher dem Eindruck folgend. Ein Bier, ein wenig Tratsch über nichtanwesende Blogger und lächelnd gestellte Fragen über die letzten Posts, eine interessante Unterhaltung über kulturelles Verständnis innerhalb der gesamten deutschsprachigen Kultur, Zufriedenheit über den gelungenen und schönen Abend.

Foto zur Lesung gibt es auf der Site von Andrea Diener.

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Samstag, 11. März 2006
Vergangenheitsbewältigung?!
Auf der Suche nach Hintergründen, geographischen Eigenheiten und politischen Wetterlagen bzw. mentalitätstypischen Merkmalen zu einem Buch über eine Kindheit in Kärnten, einer Kindheit die sich sowohl abstammungsmäßig als auch kulturell von der Mehrheit unterschied, entdeckte ich damalig Trauriges und Entsetzliches. Wenn man allerdings Kärnten und seine politisch, psychotische Verbissenheit am Deutschnationalem kennt, überkommt einem die Freude zu sehen, wie von wenigen Mutigen des Villacher Judenpogroms von 1938 gedacht wurde.

Persönlich kenne ich die Auseinandersetzung der Kärntner, betreffend des Völkermordes und der Vertreibung von Nichtarisierbaren nur durch Schuldzuweisung an die Nazis, die mitten unter ihnen lebten und agierten. Von peinlich berührt bis aufbrausend verneinend und die Taten der deutschen Wehrmacht mit Ruhmesworten verkleidend, manövrierte man das Gespräch zu einem schnellen Ende mit den Worten „Wir hom nix gwust“. Natürlich war dieses Verhalten nicht spezifisch für Kärnten, im gesamten österreichischen Bundesgebiet kam es zur massiven und eifrigen Mitarbeit zum Bestehen und zur Ausbreitung des mörderischen Regimes. Es ist oder war auch ein Teil der österreichischen Identität von dem eigenen Tun abzulenken und in der Opferrolle die Anderen zu belasten.

Die evangelische Kirche in Villach hat zusammen mit Lehrern und Schülern des Peraugymnasiums am 11. November 2005 im Rahmen eines Veranstaltungsprogramms der Geschehnisse von 1938 gedacht.



Ausschnitte aus Zeitungen und Polizei- und Gendarmerieprotokollen von 1938 bis 1945.

Quelle kärnöl.at


Bericht im "Arbeiterwille" aus dem Jahre 1922 über das vom Alpenverein Villach erlassenene "Judenverbot":

Die Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenvereins hat vor längerer Zeit das Schutzhaus am Dobratsch als Eigentum erworben. Seit einiger Zeit prangen auf diesem Schutzhaus die Worte: „Juden ist der Eintritt in dieses Haus verboten!“ Diese Aufschrift ist natürlich mit dem Zeichen des Hakenkreuzes versehen. Wie wir hören, wurde diese Aufschrift über Beschluss der Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenvereines an dem Schutzhause angebracht. Außerdem soll die gleiche Ortsgruppe beschlossen haben, dass der Pachtvertrag, der mit dem Pächter des Schutzhauses abgeschlossen wurde, in dem Momente erlischt, wo der Pächter einem Juden den Eintritt in das Schutzhaus gestattet.

Aus dem Bezirk Villach: Berichte aus Gendarmerieprotokollen über das Novemberpogrom 1938:

Velden: Ein noch nie da gewesenes Ereignis trat am 10. 11 in den Abendstunden ein. In grenzenloser Erbitterung über den erfolgten Tod des Gesandschaftsrates von Rath, der durch jüdische Mörderhand in meuchlerischer Art herbeigeführt wurde, versammelten sich Teile der Bevölkerung des Ortes in spontaner Weise und fielen gruppenweise über jüdische Besitzungen her. Es erfolgte eine wüste Zerstörung der unbewohnten jüdischen Häuser Villa Arnstein, Giebelhaus, Seehof, Helene, Weisshut und Landhaus Freisler.

Obere Fellach: Der Papierfabrikant Josef Sternschuss “Jude“, Inhaber der Pappenfabrik Albeko in Obere Fellach wurde im Jahre 1938 durch das Stadtkommando Villach in Schutzhaft genommen und sein Eigentum arisiert. Die Fabrik wurde durch den Wiener Fabrikant August Ahlborn sodann käuflich erworben. Sternschuss befindet sich derzeit in Haifa in Egypten. Näheres über sein Schicksal ist unbekannt.

Heiligen-Gestade: Nach dem Umbruch am 13. 3. 1938 wurden von Nazis aus Villach sämtliche Einrichtungen des Juden Dr. Erich Loewe, in Berghof in Heiligen-Gestade am Gutsbesitz, zertrümmert und zerschlagen. Später wurde der Besitz arisiert und am 9. 2. 1940 von der Deutschen Arbeitsfront übernommen.

Stöckelweingarten: Die Einrichtungen des Juden Kaufmann Glesinger aus Villach, im Wochenendheim in Stöckelweingarten, wurden von jugendlichen Nazis aus Villach nach dem Umbruch zertrümmert. Das Heim wurde dann vom Glesinger verkauft. Die Pension des Juden Emil Rohland Richter in Stöckelweingarten wollte man nach dem Umbruch auch zertrümmern, wurde aber durch rasches Eingreifen durch hiesige Gendarmerie vereitelt. Pension wurde dann später von Richter verkauft.

Sattendorf: Das Wochenendheim des Juden Rogar in Sattendorf mit ca. 1000 Quadratmeter Grund wurde arisiert und später von Radischnig, Hauptamtsleiter der NSDAP erstanden. Letzterer befindet sich derzeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Gattin in Stöckelweingarten wohnhaft.

Velden: Am 10. 11. 1938 wurde wegen der Ermordung des deutschen Gesandten von Rath in Paris durch die SA Velden die Einrichtung der Judenhäuser Arnstein, Mayer, Löbenfeld-Russ, Kern, Weisshut und Edihaus in Velden demoliert und zum Grossteile vernichtet.

Bezirksgericht Villach: Anzeige von Leon Zwerling, eingebracht im Oktober 1945, wegen der Verwüstung seiner Wohnung anlässlich des Villacher Judenpogroms im November 1938.

Ich war bis April 1939 Eigentümer des Hauses Villach, Oberer Heidenweg Nr. 34. Da ich Volljude bin, wurde ich vom Finanzamt Villach veranlasst, das Haus zu verkaufen. Am 16. Nov. 1942 bin ich über Auftrag der Gestapo nach Wien übersiedelt, von wo ich am 11. Okt. 1945 wieder zurückgekehrt bin. Am 10. November 1938 um ca. 4 Uhr nachmittags erschien in meinem Haus Villach Oberer Heidenweg Nr. 34 der Malermeister Friedrich Meier M. und drei weitere mir bekannte Personen. Ich war damals gerade im Garten beschäftigt. Einer von den Personen sagte mir zuerst, der Sturmführer wolle mich sprechen. Der Malermeister Friedrich Meier, gab sich mir gegenüber als Sturmführer aus und forderte mich mit den Worten „Jude gib die Waffen heraus“ auf zur Waffenabgabe. Ich erwiderte, dass ich keine Waffen habe und dass sie beruhigt meine Wohnung nach solchen durchsuchen können. Es begaben sich dann alle Vorgenannten in meine Wohnung im ersten Stock. Auf die neuerliche Aufforderung zur Herausgabe von Waffen, beteuerte ich keine zu besitzen, worauf Friedrich Meier das Kommando los gab. Alle 4 Personen, die gegen meinen Willen in meine Wohnung eingedrungen waren, machten sich dann daran, meine Wohnungseinrichtung zu zerstören. Es dauerte kaum eine halbe Stunde und fast meine gesamte Wohnungseinrichtung von 2 Zimmern, 1 Küche, 1 Speis und eines Badezimmers waren demoliert. Die genannten haben nicht nur Einrichtungsgegenstände, sondern auch Geschirr, Lebensmittel und dergleichen vernichtet. Ich schätze den mir daraus erwachsenen Schaden auf mindestens 6 bis 8 000 Schilling. Nach diesem Zerstörungswerk sind sie wieder fort und haben hinter sich die Wohnungstür abgesperrt und den Schlüssel von außen stecken lassen, sodass ich mit meiner Frau genötigt war, die Wohnung durch herablassen der Küchenbalken zu verlassen. Meine Frau und ich wurden bei diesem Anlass mit den Worten Saujud, Judenweibl und ä. beschimpft. Wir haben uns über diese mutwillige Zerstörung unseres Eigentums sehr aufgeregt. Meine Frau ist 66 Jahre alt und ich bin schon 75 Jahre. Ich bin in der Lage mehrere Zeugen über diesen Vorfall anzuführen. In der Folge musste ich mit meiner Frau, da wir gar keine Betten hatten, mehrere Tage auf den Boden liegen. Später erhielten wir von Verwandten Betten und Geschirr. Wir besaßen mehrere Service, die ebenso zerschlagen wurden. Außerdem wurden u. a. 53 Gläser mit Eingekochten vernichtet.

Eine anonyme Zeitzeugin kann sich an die „Kristallnacht“ in Villach noch erinnern:

Ich war damals 11 Jahre alt und bin die Hauptschule gegangen. Wir hatten Nachmittag-Unterricht, der um 13 Uhr begann. Nach der Schule bin ich bis nach Oberwollanig zu Fuß nach Hause gegangen. Im Herbst und im Winter war schon finster, wenn ich heim gekommen bin. An jenem Tag – nach der Schule – sind in der Italienerstraße – Ecke Technischer Hof, beim Fischbachgeschäft – sehr viele Leute herumgestanden. Ich bin näher hingegangen und dort war ein riesiger Haufen mit verschiedenen Sachen – Geschirr, aufgeschlitzte Mehlsäcke, zertrümmerte Möbel- auf dem Gehsteig. Rundherum lagen viele Postkarten verstreut. Eine davon hab ich aufgehoben. Ich konnte das Wort Gallizien lesen. Ein Wort, daß ich nie mehr vergessen habe. . Aus dem offenen Fenster im ersten Stock hat Frau Fischbach herausgeschaut. Sie war in Trauer, weil kurz vorher jemand gestorben ist. Ich habe sie gekannt, weil meine Mutter dort öfter eingekauft hat. Sie hat die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und geschrien : „Mein Gott, mein Gott , so hört doch endlich auf.“ Zwei Männer haben sie an der Schulter gepackt und zurückgerissen. Ich war erschrocken und habe Angst gehabt. Ich habe das alles nicht verstanden.- Ich wußte nicht was Juden sind. Mein Empfinden war: „Erwachsene sind gewalttätig.“. Als ich endlich daheim war, war es schon ziemlich finster. Ich habe alles meiner Mutter erzählt. Ich wollte, daß sie mir das alles erklärt. Meine Mutter sagte nur: “Mein Gott, was die da treiben, auch für die wird noch die Stunde kommen.“ Später, als ich schon in die LBA (Lehrerbildungsanstalt) gegangen bin, habe ich in Villach öfter einen Mann mit einer gelben Armbinde und einem schwarzen Judenstern gesehen. Er hat immer auf den Boden geschaut. Nach dem Krieg bin ich draufgekommen, daß das der Herr Zwerling vom Oberen Heidenweg gewesen ist. Der Zwerling hat diese Zeit überlebt.

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Dienstag, 24. Januar 2006
Wer ist Deutschland?
Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich stark die Reaktionen auf berührende Themen in der Blog-Welt sind. Während auf der „Strasse“ sich kein Mensch mehr um den millionenteuren Slogan „Du bist Deutschland“ kümmert oder ihn diskutiert, treibt dieses Thema doch immer wieder neue Blüten in der Szene der Blog-Stammtisch-Gemeinden. Geradezu als ob es überlebenswichtig wäre, den unheilvollen Geist aus dem Dorf zu treiben ohne dabei genau zu wissen, welches Ritual das wirkungsvolle wäre. Anfangs haben sich noch Photoshop-Amateure an die einzelnen Bilder gemacht und in ihrem geistigen Horizont eine neue Definition erarbeitet und veröffentlicht. Es gab auch Mahner, die den Satz als Wiederholung einer nationalsozialistischen Propaganda sahen und wenn nur die Worte im neonazistischen Umfeld beachtet werden, so mit Recht. Inzwischen bewerfen sich manche Blogger verbal mal besser, mal der Sprache nicht mächtig mit Satzklumpen und Erklärungen, die nicht nur an der Thematik vorbeigehen, vielmehr zeigen, dass kaum einer darüber nachgedacht hat bzw. was für Bilder der Gesellschaft der Slogan hochgebracht hat. Gut, viele der Attacken gegen Andersmeinende stehen auch nur im Netz, um die Besucherzahlen zu erhöhen und sich daran zu ergötzen.

„Du bist Deutschland!“ – im Zusammenhang mit dem, was es bewirken sollte, ist es ein kurzer und prägnanter Satz. Zusammen den „Karren“ aus der Lethargie ziehen; gemeinsam einen Schritt weiter zu gehen; zeigen, dass es noch Andere gibt, die auch den Versuch unternehmen, ein Land – Deutschland – wieder in eine gute Position zu bringen. „…ein Flügelschlag eines Schmetterlings…..löst einen Hurrikan aus…“. Das diese Idee in weiten Teilen der Bevölkerung keine Resonanz findet liegt nicht daran das es nicht verstanden wird oder der Wille dazu fehlt. Der Graffitisprayer, der den Gegensatz „Ich nix Deutschland Ich harz 4 bekome“ auf eine Parkuhr gesprüht hat, oder der Klarstellende „Ich bin nicht Deutschland - Ich bin Arbeiter“ mit dickem rotem Marker auf die einzig freie Stelle an der Litfasssäule fein säuberlich geschrieben hat, ist nicht prinzipiell ein Gegner einer wirtschaftlichen Veränderung der Gemeinschaft, vielmehr ist er ein Betroffener der fehlenden Gemeinsamkeit. Beinahe unmöglich erscheint der Wunsch – „zusammen schaffen wir es“ – umsetzbar.

Beachtet und beobachtet man die Mentalität des einzelnen Deutschen so wird sehr schnell klar, dass jeder weiterhin seine Suppe kochen möchte und soziale Gemeinsamkeit nur dann für sich beansprucht wird, wenn es um schwierige Lebenssituationen geht. Solange die Einstellung sich darauf zentriert, “Ich muss aufpassen, damit mein KollegInnen nicht besser sind oder beim Chef ein höheres Ansehen genießen, damit ich meinen Job nicht verliere“ oder „mein Nachbar fährt ein neues Auto oder hat eine neue Wohnung, meine Kinder müssen die schulischen Leistungen verbessern damit sie eine bessere Schule als die Kinder der Kollegen oder Nachbarn besuchen können“, gibt es kein WIR, nur ein mokieren über die Steuern und Sozialabgaben die zu entrichteten sind, um das „faule Pack“ durchzufüttern. Eine Gesellschaft, die je nach vorteiligem Bedarf ihr soziales Umfeld sucht, wird sich mit den Schattenseiten des Egoismus nicht beschäftigen, zu klar müsste der Einzelne erkennen, wie nahe er an einer Veränderung zum Schlechteren ist. „Ich habe einen Job, eine funktionierende Familie, eine Wohnung oder Haus und bin in meinem „Kreis“ anerkannt und die Verlierer meiner Haltung sind fern von mir bzw. dürfen mich nicht berühren“. In dieser ebay – Mentalität steckt der Versuch, das Begehrte an gesellschaftlichem und materiellem Ansehen billig und schnell zu bekommen, ohne auf die Mitbieter - also auch Begehrenden - zu achten. Wozu auch, denn ICH kenne DIE nicht und DIE sind letztendlich nur Konkurrenten um die schick gewordenen billigen Schnäppchen…drei, zwei, eins, MEINS! Vom Porschefahrer bis zum Hartz-IV-Empfänger ist ein weiter gesellschaftlicher Bogen gespannt, der die Gemeinschaft in Klassen aufteilt. Jede dieser Zugehörigkeiten oder Lebensstandartgruppen lebt, denkt und existiert so, als ob die Anderen nur Feindbilder sind die es zu bekämpfen gilt. Hier geht es um Rentner, Studenten, Arbeiter, Konzernbosse, Manager ebenso wie Bankangestellte und Kranke die nicht miteinander für eine Verbesserung einstehen sondern sich mit gegenseitigen Vorwürfen von fehlender Solidarität bewerfen. Das Begreifen der sozialen Komplexität eines Staates wandelt sich zum linearen Egoismus, mit dem alle nur verlieren.

Mit der Entwicklung von einer sozialen Marktwirtschaft hin zum Neoliberalismus (in gedämpfter Form), ist auch der Gesellschaftsvertrag, der Deutschland einst an die Spitze der internationalen Weltwirtschaft gebracht hat, im Auflösen begriffen. Dieser Tatsache sehen viele mit Wut und Ohnmacht gegenüber. Wie die sprichwörtlichen Lemminge laufen wir dem Abbau des Gemeinschaftswohls in die Hände und bedenkenlos propagieren wir das neoliberale Credo Jeder gegen Jeden und keiner für Alle. Es geht nicht um eine gesellschaftliche Nivellierung, vielmehr aus dem Potential des Wissens, der Erfahrung, der humanen Ressourcen und auch des Kapitals gemeinsam den Versuch zu unternehmen aus der idiotischen Jammerei und dem Lamentieren heraus, neue Wege zu gehen. Deutschland muss seine Stärken erkennen und Kräfte mobilisieren, ein hauen und stechen West gegen Ost, Beschäftigte gegen Arbeitslose, Junge gegen Alte, Bürger gegen Politik ist der beste Weg nichts zu ändern und das System der Depression weiterhin in Schwung zu halten.

Wenn einige der Blogger große Energie aufwenden um Andersdenkende mit Wortkeulen niederzuknüppeln und außer lautem Primatengehabe nichts an Ideen hervorbringen so zeugt das von der beschriebenen Haltung. Bei keinem sind konstruktive Kritik oder Vorschläge zu Verbesserung zu finden. Wie anfangs erwähnt, wenn der Slogan auch kein Glücksgriff ist so zeigt er doch die Unfähigkeit mit dem Begriff „Gemeinsam“ umzugehen. Deutschland steckt nicht nur wirtschaftlich in Schwierigkeiten, auch die Seele Deutschland leidet unter der Depression.

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