Sonntag, 15. Januar 2006
Afrika! Afrika!


Der kalte Wind treibt den Winter durch Jacke, Pullover, Schal und Hemd durch Mark und Bein. Vor dem imposanten Zelt stehend, auf und ab tretend damit die Füße wenigstens noch fühlbar bleiben, kann ich mir nur vorstellen das drinnen die nasse Kälte nicht mehr beißend sein wird. Was mich unter dem riesigen Buchstaben AFRIKA! AFRIKA! erwartet kann ich mir nicht vorstellen und irgendwie habe ich die Ausrufezeichen bis jetzt übersehen. Ich lese es noch mal und plötzlich werden diese Worte zu einer Aufforderung, zu einer Erwartung einer anderen Dimension.



Nach der Eingangsschleuse bläst von oben warme Luft und ich beginne mich von der Kälte und dem Krampf zu lösen. Das Empfangszelt ist innen größer als ich es von außen beurteilen konnte. Riesige Lüster hängen von der Kuppel und erst auf den zweiten Blick merke ich dass der Schmuck der Leuchter aus Müll - Kunststoffmüll - besteht. Gerne hätte ich Gedanken gedacht der mich nicht gezwungen hätte diesen „Schmuck“ mit dem Müll der Ersten Welt zu assoziieren. Müll, den wir in die Weite Afrikas verschiffen um bei uns eine saubere Umwelt zu erhalten und unser Gewissen zu beruhigen. Das sind keine guten Gedanken um ein grandioses, unbetrübtes Spektakel zu genießen. Nein, ich möchte auch kein Programm kaufen und vorher darin blättern und Worte lesen die mich beeinflussen, Worte die mir suggerieren was ich dabei zu denken habe. Ich lasse mich treiben, verwische die geopolitischen Gedanken, Armut, Kolonie und Aids. Afrika! ein Kontinent!







Ich kann nicht mehr sagen welche der dargebotenen Nummern die waghalsigste, die ergreifendste, die spektakulärste war. Alles fühlte sich leicht, spielerisch, sinnlich und erotisch an. Ich merke nur dass die Plätze viel zu eng sind und dass mich die Musik mitreißt, so sehr das ich dem armen Mann vor mir in den Rücken trete und er sich mürrisch umdreht. Ich merke ein entspanntes Lächeln auf meinen faltigen Wangen und lass meine Emotionen fliegen, dahin gleiten nach Afrika, über die Unendlichkeit und Schönheit die man nur sieht wenn man nicht zu hoch fliegt. Spüre das Feuer des Rhythmus, die Sehnsucht AFRIKA!







Die Vorstellung ist vorbei und die Leidenschaft weicht der kühlen Analyse und ich frage mich was hat das wirklich mit Afrika zu tun. Einem Afrika der Realität. Ist es nicht eine fünf Sterne Hotel - Folklore Veranstaltung für uns Weiße, die nur verstehen was sie kennen? Masken auf Kuppelwände projiziert oder am Mangenrand stehend sind nicht Afrika, nicht mal ein romantischer Kolonialabklatsch. Die verzaubernden Menschen waren Afrikaner mit einer Freude und eine Kraft die mich träumen lassen, mit Akrobatik und der Lust an Grenzen zu gehen. Ein zentralafrikanisches Sprichwort besagt das Träumen, durch den Horizont blicken heißt. Ja, für zweieinhalb Stunden sah ich durch den Horizont und durch die Zeltplane in ein freudiges, frohes und lebendiges AFRIKA!

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Donnerstag, 12. Januar 2006
Ein Mensch wie Du und ich – ein Plädoyer gegen die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen
Hier nun ein Novum bei Moment________________________ - ein eigens für diesen Blog verfasster Beitrag einer Gastautorin (ihres Zeichens angehende Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie), die dem Verantwortlichen dieser Seiten (@nicodemus) namentlich bekannt, bestens vertraut und gewogen ist. Ein Folgebeitrag zu dem vorangegangenen Post Psychische Leiden der Europäer.

„Sie sehen doch ganz nett aus – und Sie sind Psychiaterin?“

So verschieden menschliche Begegnungen auch sein mögen – sie folgen oft einem festen Ritus. Nach der namentlichen Vorstellung und einer kurzen Erläuterung, warum man ausgerechnet heute hier (in diesem Zug, auf dieser Party, bei diesem langweiligen Stehempfang) ist, folgt meistens (und noch vor dem Gespräch über das Wetter) die Frage: „und, was machst du/machen sie denn beruflich?“. Seit meine Antwort nicht mehr „Studentin“ sondern „Ärztin“ lautet, beginnen viele mir bis dahin völlig unbekannte Menschen, ungefragt Körperteile zu entblößen – ich könne doch sicher mal eben sagen, was mit dem Ellenbogen oder dem Schienbein los sei. Viele fragen aber vorher noch, welche Fachrichtung denn die meine sei – wahrscheinlich um eine gezieltere Auswahl der zu präsentierenden Körperteile und ihrer Veränderungen vornehmen zu können. Seit meine Antwort „ich arbeite in der Psychiatrie“ lautet, bleibt die Kleidung meiner Gesprächspartner, wo sie hingehört – und ich blicke in erstaunt-erschreckte Gesichter. Die regelhaft entstehende kurze Gesprächspause nutze ich, um mit mir eine Wette abzuschließen – welche der (scheinbar einzigen) beiden möglichen Erwiderungen wird mein Gegenüber wählen? Schon an der Körperhaltung sehe ich, für welche er sich entschieden hat: ein Schritt zurück, verlegen-unsicheres Lächeln, ein schneller Blick in die Runde – und dann Variante 1: „huch, hoffentlich habe ich da nicht schon zu viel gesagt! Sie als Psychiaterin durchschauen einen ja sofort – und einen kleinen Schuss hat ja wohl jeder!?“. Variante 2 wird eingeleitet durch eine verständnisvoll-betroffene Mimik, einen kleinen Schritt auf mich zu, manchmal wird auch noch die Hand auf meinen Arm gelegt: „ Ach, da haben sie aber einen schweren Beruf. Das könnte ich ja nicht machen! Wie sie das schaffen, all diese armen Menschen -und so hoffnungslos… Haben sie da nicht Angst, dass etwas abfärbt von der Verrücktheit auf sie?“.

Sicherlich ist das an sich nichts Besonderes – auch Müllmänner, Pilotinnen oder Quantenphysiker werden wahrscheinlich mit immer den gleichen Stereotypen konfrontiert, wenn sie ihren Beruf nennen. Aber die beiden beschriebenen Varianten sagen ja nicht vor allem etwas über meinen Beruf aus – sondern über die Bilder, die von den Menschen existieren, die von einer Psychiaterin behandelt werden. Und mit diesen Bildern werden meine Patientinnen und Patienten konfrontiert – in ihrer Familie, in ihrem Dorf, an ihrem Arbeitsplatz, in ihrem Freundeskreis.
Diese Bilder von Menschen, die Erfahrung mit PsychiaterInnen und der Psychiatrie haben, sind Vorurteile, die aus einem Ehemann, einer Tochter, einem Freund, einer Kollegin, einem Nachbarn, einer Lehrerin etwas Neues, Anderes, Fremdes, Beängstigendes, Gefährliches machen – nämlich eine „psychisch Kranke“, einen „psychisch Kranken“. Bei dem man nicht mehr so genau weiß, wie mit ihm zu reden ist – über den man aber spricht (zumindest hinter vorgehaltener Hand). Bei der nicht mehr klar ist, wie man sie behandeln soll – wo sie doch in ‚psychiatrischer Behandlung’ ist. Der beobachtet wird – sieht er nicht plötzlich auch ‚ganz komisch’ aus? Und weil fast niemand weiß, was eigentlich los ist, haben es alle schon immer gewusst. Und weil Nicht-Wissen Angst macht, hält man lieber mal „ein bisschen Abstand“ – „man weiß ja nie“.

Und so folgt der Diagnose einer psychischen Erkrankung und ihrer psychiatrischen Behandlung oft die viel fatalere ‚Etikettierung’ eines Menschen als „psychisch krank“ – er wird exkommuniziert aus bisherigen Zusammenhängen, indem man sich von ihm zurückzieht und ihn stigmatisiert als einen, der jetzt und für alle Zeit „anders“ ist. Und es entsteht aus der diffusen Idee, ‚anders’ könnte ‚irgendwie gefährlich’ sein sehr schnell die Idee, diese ‚armen Menschen’ sollten ‚weggeschlossen’ werden – um sich selbst und anderen nicht zu schaden.
Es gibt in der Tat Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung phasenweise vor Schaden bewahrt werden müssen – weil ihr Kontakt zur ‚Realität’ brüchig geworden ist, und sie beispielsweise glauben, sie könnten fliegen, wenn sie vom Balkon im 7. Stock springen. Oder weil sie in ihrem Kopf eine Stimme hören, die sie dem ‚Satan’ zuschreiben und die sie auffordert, sich zu töten, um die Welt zu retten. Oder die aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz im Nachthemd bei Minusgraden durch die Gegend irren, um ihre seit 30 Jahren verstorbene Mutter zu suchen.
Und sicherlich gibt es Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung phasenweise davor bewahrt werden müssen, anderen Schaden zuzufügen – weil sie glauben, sie müssten im Auftrag der CIA ab heute den Linksverkehr auf der Straße einführen. Oder die sicher sind, der Nachbar leite Giftgas in die Wohnung und müsse dafür bestraft werden.

Diese Menschen kommen (neben vielen anderen) in psychiatrische Kliniken. Die in der Regel nicht mehr von hohen Mauern umgeben und deren Fenster nicht vergittert sind. Wo es weder Zwangsjacken noch Gummizellen gibt. Wo es nicht um das ‚wegsperren’, sondern die Behandlung der Erkrankung geht, die Schaden anrichtet. Glücklicherweise haben wir heute für die meisten psychischen Erkrankungen Medikamente, deren positive Wirkungen die unerwünschten Nebenwirkungen bei weitem übersteigen. Die Fernsehbilder von dumpf herumsitzenden, sabbernden Zombies haben mit der Realität psychiatrischer Behandlung heute so wenig zu tun wie George Bushs Angriffe auf den Irak mit einem ‚gerechten Krieg’. Psychische Erkrankungen sind in der Regel gut behandelbar – wenn auch in vielen Fällen ebenso wenig ‚heilbar’ wie eine Vielzahl von Erkrankungen (Ärzte können weder einen zu hohen Blutdruck noch eine Zuckerkrankheit ‚heilen’ – nur die Symptome können behandelt, im besten Fall zum Verschwinden gebracht werden). Viele psychische Erkrankungen verlaufen phasenhaft – und so wie ein Mensch mit Heuschnupfen die meiste Zeit seines Lebens symptomfrei und subjektiv ‚gesund’ ist, gilt das auch für die meisten Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Einem Menschen den Stempel der Stigmatisierung aufzudrücken, weil er eine psychische Erkrankung hat, in psychiatrischer Behandlung war oder ist, steht in der Tradition der Ausgrenzung und Abschiebung, deren Folgen tausende Patientinnen und Patienten (nicht nur) psychiatrischer Kliniken im Rahmen des „Euthanasie-Programmes“ mit dem Leben bezahlt haben. Unsere Patientinnen und Patienten stehen in unserer auf ‚Leistungsfähigkeit’ und ‚Produktivität’ orientierten Gesellschaft oft am Rand – weil sie eben nicht immer ‚funktionieren’, am Mainstream vorbei eigene Wege gehen und ihre Umgebung durch ihr manchmal Anders-Sein verschrecken, irritieren und zur Abgrenzung herausfordern.

Ich bin mir absolut sicher, dass nichts mich davor schützt, morgen oder übermorgen oder in einigen Jahren selbst psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Niemand ist davor gefeit, eine Depression, eine Psychose oder eine Demenz zu entwickeln – niemand. Keine genetische Disposition, keine Abstinenz von Alkohol oder Drogen, kein gesunder Lebenswandel bieten einen ‚sicheren Schutz’ davor.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ich auf meine Aussage „ich bin Psychiaterin“ nicht mitleidig belächelt oder ehrfürchtig-erschrocken angeschaut werde – denn ich habe einen tollen Beruf, der mich erfüllt. Viel mehr aber wünsche ich mir eine Gesellschaft, in der ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung als das gesehen wird, was er ist: als Mensch wie ich, wie du, wie wir.

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Samstag, 7. Januar 2006
Kredit Vergabe Kriterien
Wer jemals einen Kredit beantragt hat kennt das Prozedere bis zu Genehmigung. Ausweis, Gehaltsbescheinigung, Arbeitsvertrag, Meldebescheinigung und so weiter. Als Kunde einer Bank geht es schneller mit der Zusage oder einem Gespräch mit dem oder der BeraterIn. Die Kriterien, die sie erfüllen müssen sind hinlänglich bekannt und kaum einer fragt sich welche internen Richtlinien, eine Bank Jemanden als Kreditwürdig erachtet.

Kreditwürdig bei CC-Bank: für einen Kleinkredit zur Anschaffung eines Autos, Möbel oder einer Reise sind Personen von 18 Jahren bis höchstens 73 Jahre, Wohnsitz Deutschland - versteht sich, weiters unbefristetes Arbeitsverhältnis oder befristet bis zum Ende der Kreditrückzahlung. Weiters spielt das Herkunftsland des Antragstellers eine Rolle, EU Bürger im Allgemeinen haben keine Probleme. das Hartz IV Empfängern kein Geld gegeben wird ist bekannt, ebenso wenig wie Arbeitslosen, Umschülern und Asylbewerbern. Studenten, Schüler und Wehrdienst- und Zivildienstleistende fallen ebenfalls aus. Nun wird es schon schwieriger, Hausfrauen und pränatale, Gebärende und postnatale Frauen sind nicht kreditwürdig! Anders gesagt: Frauen die schwanger sind oder ein Kind versorgen und dadurch auch als Hausfrauen bezeichnet werden haben kein Anrecht auf einen Kredit. Ist doch irgendwie eigenartig das zur Beschaffung und Obsorge zukünftiger Bankkunden und Kreditnehmer kein Anrecht besteht einen kostspieligen Kredit zu bekommen?

Ein weiterer Punkt von Diskriminierung ist auch, dass jeder EU Bürger mit geregeltem Einkommen würdig ist die Zinsen, Bearbeitungsgebühren und Kontoführungsgebühren zu bezahlen, nur nicht Romas und Sinti. Haben diese Menschen, trotz Sesshaftigkeit das Pech einen falschen Pass zu besitzen der sie als Roma oder Sinti ausweist ist auch ihre Würde verloren. Dazu muss man sagen das EU Staaten wie Ungarn, Menschen die dieser ethnischen Gruppe zugehörig sind - selbst wenn sie Sesshaft sind - nur die erwähnten Pässe ausstellt. Im EU Beitrittsland Rumäninnen genügt schon der Name um keinen rumänischen Pass zu bekommen.

Kunden berichten großteils positiv über die CC- Bank AG. Allerdings geht es hier um die günstigen Festgeldzinsen. Verhalten bis negativ werden die Meldungen wenn es um die hohen Überziehungszinsen oder Kreditzinsen geht. Die Bank wurde 1968 gegründet. Seit 1987 gehört die CC-Bank unter ihrem aktuellen Namen “CC-Bank AG” zur Santander Central Hispano, der größten spanischen Bank.

kopie der vergabekriterien (pdf, 119 KB)

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Montag, 2. Januar 2006
Psychische Leiden der Europäer
Jeder vierte Europäer (27%) leidet temporär oder ständig an Depression, bipolare Störungen, Schizophrenie, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Sozialphobie, Panikstörungen, generalisierte Angst, Zwangsstörungen, somatoforme Störungen oder Demenz besagt eine veröffentlichte Meta-Studie in der „European Neuropsychopharmacology“. Das Langzeitrisiko liegt bei mehr als 50% der Betroffenen. Am häufigsten sind Angststörungen, Substanzstörungen und somatoforme Störungen. Lediglich 26% aus dieser Gruppe erhielten irgendeine und noch weniger eine adäquate Behandlung. Unbehandelt verlaufen viele psychische Störungen chronisch mit zunehmenden Komplikationen. Die Kosten, die aus diesen Erkrankungen entstehen verursachen nach Schätzungen der europäischen Union drei bis vier Prozent des Bruttosozialprodukts. Die Kosten entstehen in erster Linie durch Produktivitätsverluste. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache von Frühberentungen.

Die Mehrheit der psychischen Störungen manifestiert sich in der Kindheit und Adoleszenz. Hier werden die Weichen für eine lebenslange Leidensgeschichte gestellt. Frauen haben ein höheres Risiko, an psychischen Störungen wie Angst, Depression und somatoformen Störungen zu erkranken als Männer. Männer sind eher anfällig bei Substanz- abhängigkeiten (hier in erster Linie Alkohol), bei Psychosen und bipolaren Störungen. Frauen erkranken überwiegend im gebärfähigen Alter. Nicht klar ist ob sich diese Tatsache auf die Kinder auswirkt und in welchem Ausmaß.

In den nächsten Wochen wird die Studie von Dr. Frank Jacobi (Technische Universität Dresden) und Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen vorgestellt. In dieser Veröffentlichung wurden 27 Studien mit mehr als 150 000 Teilnehmern ausgewertet. Interessant erschein das eine „reine Depression“ oder eine „reine Panikstörung“ äußerst selten auftreten. Die häufigsten Muster des Krankheitsverlaufes sind nach Angaben der Studie, früh auftretende Angststörungen, an die sich im weiteren Verlauf oft somatoforme Störungen, Sucht- und depressive Erkrankungen anschließen.

Eine weitere, im Herbst 2005 erschiene Studie von Schweizer Instituten sieht zukünftig eine Zunahme der Burnout Erkrankungen. Bereits heute ist ein großer Prozentsatz der Krankenmeldungen auf diese Erkrankung zurück zuführen. Wie bei vielen der psychischen Erkrankungen kann bei einer adäquaten Behandlung im frühen Stadium langfristig eine Verbesserung und Milderung erreicht werden.

Quelle und Zitate: Deutsches Ärzteblatt 51/52 2005

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Sonntag, 1. Januar 2006
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
vorerst muss ich eines gestehen, ich habe mich geirrt! Erstmal war ich überzeugt dass Sie gegen die maskuline Dominanz in Ihrer Riege nicht bestehen werden und der Kanzlerin Anspruch von den Herren aus Bayern und Hessen Ihnen streitig gemacht wird. Wie Sie allerdings geschafft haben Herrn Stoiber zurück nach Bayern zu schicken – alle Achtung – ist ein Rätsel und es gebührt Ihnen meine Hochachtung. Dass Herr Koch das Bestreben nach „Höherem“ hat, ist hinlänglich bekannt und um sein Ziel zu erreichen spannt er alle emotionalen Themen, wie Türken, Afrikaner, Ausländer und Arbeitslose ein. Seit kurzem hat er auch Studenten und Eliteuniversitäten in seinem Programm, von den Einen wird kassiert und für die Anderen soll die Bundesregierung kräftig mitzahlen.

Bewundernswert finde ich die beinahe liebliche Einigkeit mit Ihrem Koalitionspartner Herrn Müntefering. Es wird regiert wie in einer funktionierenden Familie in der an oberster Stelle die Harmonie steht. Das ist ein wenig protestantisch aber auch gut so, das wahlgebeutelte Volk braucht ruhige Vorbilder um sich auf die Zukunft vorzubereiten, eine Zukunft über die sie sich noch klarer äußern müssen damit wir, das Volk uns einstellen können ob sozial verträglich gewirtschaftet wird oder kalt neoliberal die AG´s und Konzerne das Sagen haben. Ich wünsche uns - und das hoffentlich auch in Ihrem Sinne - eine Perspektive die nicht nur Angst und Zittern um den Job, das Einkommen, die Rente oder die Finanzierung der Krankenkassen vorherrscht, sondern auch ein wenig neue Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Und damit bin ich bei Ihrer Neujahrsansprache. Sie haben versucht den Menschen Mut zu machen, Mut neue Wege zu gehen und endlich aus dem nationalen und lieb gewonnenen Gejammer raus zukommen. Recht haben Sie! Nur ist da und dort noch so ein Hacken um die Ideen aus dem Volke und für das Allgemeinwohl umzusetzen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und dieses, ah so geprügelte Deutschland wieder an die Spitze zu bringen. Ich kenne Leute die haben sehr gute Ideen und sind bereit ein großes Risiko einzugehen. Dennoch benötigen sie Startkapital und fachliche Unterstützung die wiederum nur für Geld zu bekommen ist. Ja, ich weiß dass es Fördermittel aus den verschiedenen Institutionen und von der Bundesregierung fließen und dass es da Entscheider gibt die guten Willens sind, die Idee zu fördern. Wie Sie sehr richtig erkannt haben. Diese Vergaben sind schon unter Ihren Vorgängern üblich gewesen und dennoch hat es im Sinne von Arbeitsplätzen nicht den erhofften Erfolg gebracht. Viele gute Leute sind mit den zukunftsorientierten Ideen ins Ausland gegangen und hatten dort Erfolg damit. Der Grund ist teils recht einfach, ein wirtschaftliches Interesse der Kommunen und Länder einerseits und eine höhere Beweglichkeit der Banken und Geldgeber. Hierzulande geht es nicht allein um den neuen Mut der Menschen, vielmehr um weniger Egoismus der großen Banken, Konzerne und Unternehmen. Manchmal hat man als Bewohner dieses Landes das Gefühl eine Bank nur konsultieren zu dürfen wenn das gewünschte Kapital in Immobilien vorhanden oder die Oma auf dem Sparbuch hat. Freie Bankenwirtschaft heißt aber leider auch Diesen ausgeliefert zu sein, eine Zinspolitik zu akzeptieren die an Wucher grenzt und dafür tausende Arbeitsplätze unter dem Schleier der internationalen Konkurrenz einsparen. So haben wir leider beides nicht, Menschen mit Mut zum Risiko und Arbeitsplätze.

Sie haben von Forschung gesprochen, ein Thema bei dem ich gerne zuhöre und oft nicht verstehe worum es wirklich geht. In einem TV-Duell mit Ihrem Vorgänger haben Sie richtigerweise erkannt das Deutschland, betreffend die Patente und Erfindungen weltweit an zweiter Stelle steht. Ich würde eher sagen an fast erster Stelle, den anders als in der USA wird hier nicht jeder Punkt der zusätzlich zu einer Software gefunden wird als Patent angenommen. Landauf und Landab finden wir Menschen die sich für Entwicklung und Forschung in Medizin, Elektronik, Bildung und so weiter einsetzten. Diesen Menschen und Institutionen haben wir unsere internationalen Erfolge zu verdanken. Kaum eine Produktionsstrasse die ich in China, in Europa oder in Indien gesehen habe die nicht aus Deutschland kommt, Maschinen von höchster technischer Qualität, absoluter Präzision und Zuverlässigkeit. Ich gebe Ihnen durchaus Recht das einige Regeln und Geläufigkeiten in der Mittelvergabe verändert werden müssen und auch sollen. Heute werden Begriffe wie „Eliteuniversitäten“ oder „Forschungselite“ verwendet um die Mittel knapper und konzentrierter zu verteilen. Ihr Vorgänger hat 70 Millionen Euro für die Schaffung von Universitäten mit dem Beigeschmack Elite vergeben, gut aber wo bleiben die dringend benötigten Ausgaben für die Bildung der Kinder die in naher Zukunft das Land an die erste Stelle der Patente und Erfindungen führen soll?

Ob Ihr Appell an die Bürger, sich stärker in wohltätigen Gruppierungen und Vereinen zu betätigen und den Mitmenschen näher zu stehen, erfolgreich sein wird bezweifle ich sehr. Die Menschen denken hierzulande nicht im wahren Sinne von „Wir“. Wir das sind die, die mit uns in der gleichen Situation sind und nicht die anderen, die keine Deutschen sind, keinen Arbeitplatz haben oder nicht Christen sind. Zu unterscheiden hat die Volksseele auch durch die Politik gelernt, eine Politik die gekündigte Menschen, rechtlich zu Bürgern zweiter Klasse und zu Schuldnern macht, die wenig unternimmt Muslime aus dem allgemeinen Terrorverdacht zu lösen, die den Aktiengesellschaften und Konzernen vorauseilend die gesetzliche Möglichkeit des bedenkenlosen und unverantwortlichen Abzockens gibt. Wäre vorerst nicht wichtig klar zu stellen wer welche Verantwortung mit seinem Handeln für die Allgemeinheit und für die von Ihnen und uns so geliebte Zukunft hat?

Sie haben sich auch zur Aufgabe gestellt eine europäische Verfassung, oder besser eine verbesserte europäische Verfassung mit ihren Kollegen auf den Weg zu bringen. Das freut mich, und wenn diese Verfassung auch noch soziale und Komponenten der Menschenwürde beinhaltet ist der Erfolg einer Akzeptanz zu erreichen. In einigen Punkten, die gegen eine Gemeinsamkeit im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft sprechen sollten Sie als Vertreterin einer Volkspartei, alles daran setzten diese zu verändern. Ich bin mir sicher dass Sie in Ihrer bewiesenen Kompromissbereitschaft dazu fähig sind. Eine Bitte habe ich diesbezüglich an Sie: Lassen Sie bitte so genannte „christliche“ Werte auch aus der zukünftigen europäischen Verfassung weg. Ändern Sie es einfach auf humane und ethische Werte.

Eines ist mir noch besonders aufgefallen, Sie tragen eine Brille. Die steht Ihnen sehr gut und verändert Sie - soweit ich das sagen darf - sehr positiv. Eine Veränderung in Richtung Willen und Taten.

Persönlich wünsche Ich Ihnen für 2006 viel Erfolg in Ihrer politischen wie auch parteilichen Arbeit und das Sie jemanden haben der Ihnen auch die Hand hält, wenn es stürmisch wird am Parkett der großen Hoffnungen nach außen und dem Überlebenskampf im Inneren der machtbesessenen Kollegen.

Mit freundlichen Grüßen

nicodemus

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